Bürgerschaftliches Engagement veränderte ihr Leben: Silke Sommer-Hohl 


von Walter Korinek

 

Das Portrait zum Thema: „Bürgerschaftliches Engagement veränderte ihr Leben“ schildert eine knapp 50jährige  gelernte Reiseverkehrskauffrau, Ehefrau und Mutter dreier Kinder, die durch Veränderungen im Umfeld zur engagierten Bürgerrechtlerin und Vorsitzenden eines landesweiten Bündnisses wurde. Dadurch veränderte sich ihr ganzes Leben. Damit zeichne ich den Prozess im Leben von Silke Sommer-Hohl, bei dem sich Lebensumstände und -perspektiven aus der Normalität ins Außergewöhnliche verändern. Gleichzeitig zeigt sich darin exemplarisch, wie das „Sich-Einmischen“ im Sinne bürgerschaftlichen Engagements angesichts einer als problematisch empfundenen Situation zu neuen Chancen und Lebensaufffassungen führen kann.

 

„Was die Gestaltung von guten Schulen angeht, schwöre ich auf die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern.“, sagt Silke Sommer-Hohl im Brustton der Überzeugung. Mit raschen Schritten eilt sie aus dem Auto zu ihrer nächsten Veranstaltung, diesmal in Lauda-Königshofen, knapp 250 km von ihrem Wohnort Bad Saulgau entfernt und bringt für ihre Mitstreiter noch schnell ein bisschen Gebäck mit. Silke Sommer-Hohl lacht. Fröhlich und echt. Seit knapp einem Jahr gehören Vorträge, Diskussionen, Meetings mit  Vertretern aus Politik und Kultur und sogar Diskussionen im Fernsehen zu ihrem Leben.

Soho portrait-1Begonnen hat dies alles für die gelernte Reiseverkehrskauffrau, Ehefrau und Mutter dreier Kinder damit, dass sie als Elternbeiratsvorsitzende eines Gymnasiums mit den Plänen der politisch Verantwortlichen konfrontiert wurde, die Schullandschaft gründlich umzugestalten. Immer wieder erklärt sie auf Veranstaltungen den Ausschlag für ihr bildungspolitisches Engagement: „Seit über fünf Jahren engagiere ich mich im Förderkreis der Realschule in Bad Saulgau und als gewählte Elternvertreterin  im Gymnasium. Dazu kommen die praktischen Erfahrung mit meinen Kindern, die unterschiedliche Begabungen und Neigungen mitbringen. Aus diesem Grund besuchen sie auch verschiedene Schularten.“

Silke Sommer-Hohl beließ es nicht beim Reden und rief im Frühjahr 2012 in Bad Saulgau eine Bürgerinitiative für den Erhalt eines differenzierten Bildungssystems ins Leben. Ihre Freunde und Bekannten waren zuerst erstaunt, dass sie sich mit diesem Thema so intensiv auseinandersetzte. In den Diskussionen kristallisierten sich zwei Strömungen heraus: „Ich erlebte große und spontane Unterstützung aus verschiedensten Richtungen, auch aus Richtungen, wo ich es am wenigsten erwartet hätte“, denkt sie zurück. Aber es gab auch persönliche Angriffe und plötzliche Ignoranz. Silke Sommer-Hohl: „Es ist eine spannende Erfahrung, wie weit Toleranz, Respekt und Achtung gegenüber Mitmenschen reicht.“

Als Initiatorin des ersten Bürgerentscheids überhaupt in der Landesgeschichte Baden-Württembergs geriet Silke Sommer-Hohl ins Rampenlicht der landesweiten Öffentlichkeit. Sie wurde plötzlich von Kommunen, Verbänden und Politikern zu Podiumsdiskussionen, Impulsreferaten und zu einer Talkshow im Fernsehen eingeladen. „Das veränderte mein Leben schon sehr“, meint sie rückblickend.

Nun ist sie Vorsitzende des Bündnis-pro-Bildung Baden-Württemberg e.V., einem landesweiten Zusammenschluss voSoho Pressekonferenzn Eltern, Bürgern und Interessierten, die sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung eines differenzierten Bildungssystems einsetzen. Gäbe es nicht die dynamische Frau mit dem schwarzen Haarschopf dann wäre das Bündnis pro Bildung wohl so nicht möglich. „SoHo “ ist Verwalterin, Buchhalterin, Managerin, Organisatorin und Vorsitzende in einer Person, verantwortlich für die Vermittlung zwischen Elterninitiativen und Fachleuten, für Organisation und Finanzen, für Gespräche mit Politikern und koordiniert die Aufgaben ihrer Kollegen im Vorstand.

Wenige Tage nach der Veranstaltung in Lauda stellt die engagierte Vorsitzende auf Einladung einer Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg den Abgeordneten die Vorstellungen ihres Bündnisses vor.

Die temperamentvolle Frau spricht frei ohne Manuskript, schildert ihr Anliegen und bittet um Unterstützung. Sie lächelt, argumentiert, fordert und antwortet kompetent auf Fragen der Politikprofis. Immer wieder schiebt sie mit knappen Handbewegungen die schwarzen Haare zurück. Später im Foyer bei einem Glas Sekt wundert sie sich im Gespräch über sich selbst: „Noch vor fünf Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, vor solch einem Gremium zu sprechen. Aber der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.“ Nach einem raschen Blick auf die Uhr nimmt sie ihre Handtasche und verabschiedet sich: „Ich muss jetzt dringend nach Hause. Meine Kleine schreibt morgen eine Englischarbeit und ich muss sie noch abfragen.“

„Wer an der Jugend spart, wird in der Zukunft verarmen.“ (Adolf Haslinger)


Schulsozialarbeit steht im Fokus der Öffentlichkeit. Oft werden an die an Schulen tätigen Sozialpädagogen hohe Erwartungen gestellt, die oft schon an Heilserwartungen grenzen. Gleichzeitig ist relativ wenig über den realen Aufgabenbereich dieses Berufs bekannt. Das Interview mit Sebastian Heck, soll in pointierter Form einige Schlaglichter auf die Herausforderungen,  Möglichkeiten und das Selbstverständnis eines Schulsozialarbeiters an einer Werkrealschule werfen.

 

Der Schulsozialarbeiter Sebastian Heck spricht über die Herausforderungen in seinem Beruf

Von Walter Korinek

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMit welchen Gefühlen gehen Sie ins neue Schuljahr?

Man weiß nie, was auf einen zukommt. Beispielsweise plant man mit den Lehrern, was man mit den einzelnen Klassen und Projekten vorhat. Plötzlich muss man aber stattdessen in einer akuten Krise helfen. Das wirft oft alle Planungen durcheinander.

Haben Sie sich trotz aller Unsicherheiten für das neue Schuljahr konkrete Ziele gesetzt, die Sie als Schulsozialarbeiter erreichen wollen?

Mein oberstes Ziel ist es immer, dass ich mit Aktionen möglichst viele Schüler erreiche. Ich meine, dass alle Schüler Schulsozialarbeit verdient haben.

OK, wie arbeiten Sie in der Praxis Schulsozialarbeiter?
Mir ist es wichtig, für alle Schüler als Ansprechperson da zu sein. Dazu mache ich für die Jugendlichen thematische Angebote. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, für die Schüler Orte zu schaffen, an denen sie sich wohl fühlen

An welcher Schule arbeiten Sie?

Ich arbeite an der Auwiesenschule Neckartenzlingen, einer Grund- und Werkrealschule in Baden-Württemberg.

Nutzen die Kinder und Jugendlichen das Angebot, einen Ansprechpartner zu haben, oder gibt es Berührungsängste?

Am Anfang meiner Tätigkeit sah ich oftmals  die Bedürftigkeit, aber das Vertrauensverhältnis war noch nicht da. Jetzt fragen viele Schüler, ob ich Zeit hätte, ein Problem zu besprechen oder sie holen sich einen Rat.

Was war Ihr schönstes Erlebnis im letzten Jahr?

Wenn Schüler in das Schülercafe kommen und von sich erzählen. Das ist ein riesiger Vertrauensbeweis.

Und was machte Sie traurig, unzufrieden?

Wenn man spürt, ein Jugendlicher hat eine ganz große Not und man kann nicht helfen.

Mit welchen Problemen haben Sie im Schulalltag am meisten zu tun?

Ein Problemfeld sind die Ressourcen. Ein weiteres Problemfeld die unterschiedlichen  Ansprüche, Sichtweisen und Zielsetzungen von Lehrern und Sozialpädagogen.

Können Sie das noch ein wenig deutlicher machen?

Ich kann gut nachvollziehen, dass für Lehrer die Situation zunächst einmal schwierig ist. Schulsozialarbeit ist vor allem Beziehungsarbeit. Auch für die Beziehung zu den Lehrkräften gilt: Kennen lernen, Beziehungen knüpfen und Vertrauen schaffen.

Wie ist das mit den Eltern?

Unterschiedlich. Ehrlich gesagt, habe ich damit gerechnet, dass mehr Eltern auf mich zukommen.

Nun eine Frage zu ihrem professionellen Umgang mit Problemen. Wie behält ein Schulsozialarbeiter die kritische Distanz zu den persönlichen Problemen, mit denen er konfrontiert wird?

In der konkreten Situation muss ich darauf achten, die Gefühle meines Gegenübers nicht als meine eigenen zu übernehmen.

Wann geben Sie auf?

Ich kann nur Hilfe anbieten. Wenn jemand keine Hilfe oder Unterstützung will, dann kann ich nichts tun, als weitere Angebote zu machen.

Eine persönliche Frage: Sind Sie mit Ihrer Bezahlung zufrieden?
Wenn ich hätte reich werden wollen, hätte ich etwas anderes studiert.

Warum arbeiten Sie trotzdem in diesem Job?

Weil Geld nicht alles ist. Ich möchte in meiner Arbeit etwas Sinnvolles machen.

Gibt es noch etwas, was Ihnen sehr wichtig wäre?

Schulsozialarbeit darf nicht nur als Feuerwehr eingesetzt werden. Jeder Jugendliche hat Angebote für seine Persönlichkeitsentwicklung verdient – und das kostet natürlich Geld.

 

(Das Interview wurde am 26.9.2014 in der Auwiesenschule Neckarztenzlingen geführt)

Eine Reise in eine andere Welt


Für OLt-Korinekknapp zwei Wochen tauschte Dr. Walter Korinek, im Zivilleben Rektor der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Jeans und Sakko mit der Uniform der Bundeswehr. Gemeinsam mit anderen zivilen Führungskräften vom Bankdirektor über Projektmanager, Rechtsanwälte, einem Staatsanwalt bis zur Polizistin nahm er an einer Informationsveranstaltung der Luftwaffe teil. Er wollte sich selbst ein Bild vom Leben in der anderen Welt der deutschen Streitkräfte machen. Hier der Bericht, wie er auch auf der Homepage der Luftwaffe (https://bw2.link/T5eg9) erschien:

Zur 99.Informationsveranstaltung der Luftwaffe hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, zivile Führungskräfte eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen.

  „99. InfoDVag aufstehen!“ Angekündigt durch einen schrillen Pfiff schallt die Stimme von Hauptfeldwebel Pohl um 4.30 Uhr durch den ersten Stock der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth. Für die 15 Teilnehmer der 99. Informationsveranstaltung der Luftwaffe für zivile Führungskräfte (InfoDVagLw) sind das eher ungewohnte Töne, aber pünktlich um 5.30 Uhr treten die vier Frauen und elf Männer noch etwas unbeholfen auf dem Kasernengang an.
Gruppenfoto
Gruppenfoto bei der 7. Kompanie (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Am Ende der fast zweiwöchigen Tour durch die Luftwaffe vom 5. bis 16. Oktober 2014 sind die militärischen Gebräuche allen wohl bekannt. Und darüber hinaus verfügen die frischgebackenen zeitweiligen Offiziere über viele neue Informationen und Erfahrungen aus der „anderen Welt“, der Luftwaffe.

Kleidungskammer
Vorfreude in der Kleidungskammer (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Bereits am ersten Tag stand der Besuch der Kleiderkammer auf dem Programm und ein Crash-Kurs in Sachen Formaldienst. Von nun an haben sich die Teilnehmer künftig auch an gewisse Pflichten zu halten: Die Jacke muss zugeknöpft sein, die Hose oberhalb der Kampfstiefel enden, die Haltung ist aufrecht. Für Zivilisten ist dies alles nicht selbstverständlich und auch nicht ganz einfach. Doch Hauptfeldwebel Markus Pohl bringt es in kürzester Zeit fertig, aus der Gruppe Zivilisten soldatisch korrekt auftretende Luftwaffenangehörige zu machen, die in der Lage sind, für die gleichzeitig eingerückten Rekruten als Vorbild zu dienen.

„Ich gelobe, der Bundesrepublik treu zu dienen …“

Gelöbnis
Das Gelöbnis ist im vollen Gange (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Zum 99. Mal hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, Politiker, Juristen, Unternehmer, leitende Behördenmitarbeiter, Schulleiter eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen. Natürlich verbindet die Bundeswehr damit auch die Hoffnung, dass die Teilnehmer nach Abschluss dieses Besuchs bei der Truppe als Botschafter der deutschen Streitkräfte in der Gesellschaft auftreten. Diese Aufgabe kann man am Besten erfüllen, wenn man einen intensiven Einblick in die Strukturen und Abläufe des Lebens in der Luftwaffe gewinnt. So befördert der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons Germersheim, Oberstleutnant Dietmar Hinze, zusammen mit der Kompaniechefin der 7. Kompanie Frau Hauptmann Anke Herrmann am zweiten Nachmittag der InfoDVagLw im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses 15 Zivilisten zum Oberleutnant der Reserve. Auf die Truppenfahne geloben die 15 neuen Offiziere, zumindest für zwei Wochen „… der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Dienst an der Waffe

Auch der Dienst an der Waffe gehört zum Programm der Informationsveranstaltung in Uniform. Nach einer ersten Einführung auf dem Schießplatz werden die frischgebackenen Soldaten mit dem Sturmgewehr G 36 und der Pistole P 8 vertraut gemacht. Eine Schnellbleiche in Kartenarbeit schließt sich an, um die neuen Offiziere geländetauglich zu machen. Als Lohn für die Mühe veranstaltete dann am Abend die Stammbesatzung der 7. Kompanie unter dem Befehl von Frau Hauptmann Herrmann einen Grillabend mit fränkischen Spezialitäten. Dabei gab es Gelegenheit zu vielen heiteren, aber auch manchen ernsten Gesprächen zwischen den hauptberuflichen Soldaten und der Gruppe.

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe…

QRA
Eurofighter der QRA beim Start (Quelle: Luftwaffe/Kulla)

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe unter Führung des Projektteams mit Oberst Hilmar Dageförde und den beiden Oberfeldwebeln Vanita Schanze und Agathe Kulla beginnt am Mittwoch um 5 Uhr mit dem Wecken – diesmal mit zackiger Marschmusik. Zuerst bringt der Bus die Gruppe zum Fliegerhorst Lechfeld des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 (TaktLwG 74), einem der zwei Standorte für die Alarmrotte des Mehrzweckkampfflugzeugs vom Typ Eurofighter Typhoon. Der stellvertretende Kommodore des Geschwaders erläutert die Aufgaben: Der Luftraum über Deutschland wird, auch im Frieden, im Auftrag der NATO durch die Luftwaffe geschützt. Hierzu stellt das Taktische Luftwaffengeschwader 74 an 365 Tagen im Jahr zwei Jagdflugzeuge, deren Besatzungen und dazugehörige Techniker Dienst in einer 24-Stunden-Schicht verrichten. Diese Alarmrotte, im militärischen Sprachgebrauch QRA (Quick Reaction Alert) genannt, wird vom Gefechtstand der Luftverteidigung alarmiert und befindet sich innerhalb von 15 Minuten in der Luft. Dort wird sie über ihren Auftrag informiert. In den meisten Fällen ist der Grund für den Alarm, dass sich Flugzeuge, nicht konform zu den luftfahrtrechtlichen Vorgaben verhalten. Manchmal ist auch nur keine Kontaktaufnahme über Funk möglich. Die Alarmrotte nähert sich dem Flugzeug und versucht über Funk oder mittels Zeichen Kontakt zum Piloten aufzunehmen. Die Besatzung der Eurofighter identifiziert das Flugzeug und die Fluggesellschaft, das angestrebte Flugziel sowie mögliche Probleme der Maschine. Einen solchen Alarmstart unmittelbar neben der Startbahn mit zu erleben, stellt sicher eines der herausragenden Erlebnisse der Luftwaffenrundreise dar. Weiter ging es nach Kaufbeuren.

Das Abendessen am Standort mit dem Kommandeur Oberstleutnant Dr. Volker Pötzsch und anderen leitenden Offizieren gab wieder viele Gelegenheiten zu Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Ausbildung steht im Mittelpunkt

Das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abteilung Süd in Kaufbeuren dient der Aus- und Weiterbildung von Soldaten aller Dienstgrade in allen Teilstreitkräften und zivilem Personal im Rahmen einer Grundlagenausbildung an den Waffensystemen Tornado und Eurofighter. In einem Simulator, der bis ins Detail einem Kontrollturm ähnelt, findet die praktische Ausbildung der Soldaten statt, die in hochkonzentrierter Arbeit den Flugverkehr regeln.

Ein geselliger Kameradschaftsabend und Diskussionen über die Einsatzbereitschaft

Ein Marsch auf die Buchenbergalm bei Füssen und der anschließende Kameradschaftsabend mit Übernachtung im 10-Bett-Zimmer leitet für die Gruppe Tage mit praktischen Flugerlebnissen ein.

CH53
Auch in der CH 53 müssen Sicherheitsvorschriften befolgt werden (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

In Füssen startet ein Hubschrauber des Typs Sikorsky CH 53 und bringt alle mit einem kurzen Abstecher an Schloss Neuschwanstein zum Luftwaffenstützpunkt Penzing, wo der stellvertretende Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61, Oberstleutnant Klaus Schierlinger, einen Überblick über die umfangreichen Wartungsdienste am fliegenden Gerät gibt. Später werden die Teilnehmer der InfoDVagLw von ihm persönlich als Pilot mit der C-160 Transall nach Köln-Wahn geflogen. Die Gespräche geben natürlich auch Gelegenheit, die zahlreichen Gerüchte um die angebliche oder tatsächlichen Einsatzdefizite der Bundeswehr zu diskutieren und Fakten zu erhalten. Die Wartungsleiter erklären, dass das Verhältnis von Flugstunden zu Wartungseinheiten etwa beim Tornado bei 1:90 liegt. Der Gruppe wird rasch klar, dass es unmöglich ist, eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft des fliegenden Geräts sicher zu stellen. Der Flug in der Transall ist sicher ein weiteres Highlight des Aufenthalts in der Luftwaffe. Das über 40 Jahre alte Flugzeug, das aber durch ständige Wartungsintervalle immer noch up-to-date ist, bietet durch die spezielle Sitzposition mehr Kniefreiheit als die Business-Class jeder zivilen Maschine – und dazu noch die Gelegenheit im Cockpit der Besatzung während des Fluges über die Schulter zu schauen.

„Darauf bin ich stolz…“

So beginnt Oberstleutnant Peter Nicolin an Bord der Airbus A 310 mit der MedEvac-Ausrüstung seine Erklärungen. Und dabei meint er nicht in erster Linie, dass er schon unzählige hochrangige Politikgrößen von Altkanzler Helmut Kohl bis zur amtierenden Regierungschefin Angela Merkel zu Flugzielen in allen Kontinenten flog. Nein, was er meint, schildert er ausführlich an einem Beispiel: Ein Soldat in Afghanistan war lebensgefährlich erkrankt und musste so schnell als möglich zur rettenden OP nach Deutschland gebracht werden. Also startet der MedEvac-Airbus. In einer nicht üblichen Reiseflughöhe steuerte Nicolin die große Maschine in die Heimat zurück – den Aufstieg in normale Höhe hätte der Patient nicht überlebt -. Der Mann wurde operiert und überlebte.

Theorie und Praxis im steten Wechsel

AGSAP
Waffeneinweisung im AGSAP (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Charakteristisch für die Bundeswehr ist der Wechsel von administrativen Tätigkeiten zu operativen Aufgaben – dies ist sicher eine der wertvollen Erfahrungen, welche die Teilnehmer der InfoDVag in ihr Zivilleben mitnehmen – und dieses Prinzip wird auch in der Veranstaltung selbst praktiziert. Oberstleutnant Eckhard Jeske löst Oberst Hilmar Dageförde als begleitenden Projektoffizier ab und begleitet die Gruppe zum AGSAP. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich bundeswehrtypisch ein Wortungetüm namens „Ausbildungsgerät Schießsimulation für Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen“. Mit Hilfe dieses Simulators wird nun mit den Oberleutnanten noch einmal der richtige Umgang mit Sturmgewehr und Pistole trainiert und sogar eine Gefechtssituation simuliert.

„Auf dem Weg in die neue Luftwaffe…“

Am nächsten Tag folgt konsequenterweise nach der Praxis die Beschäftigung mit theoretischen Fragen der Luftverteidigung der Bundesrepublik im Rahmen des NATO-Bündnisses. Dieter Naskrent ist Generalleutnant der Luftwaffe der Bundeswehr und Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe. Er hat ganz sicher einen vollen Terminkalender, aber an diesem Montag steht er hier in der Kommandozentrale der Luftwaffe und gibt gemeinsam mit Generalleutnant Martin Schelleis, Brigadegeneral Rainer Keller und Oberst Rüdiger Knappe den zivilen Führungskräften in Uniform Auskünfte aus erster Hand über die jetzige Struktur, Probleme und die Neuausrichtung der Luftwaffe.

Im Herz der Luftwaffe

Nach der Fahrt Richtung Kalkar und Uedem geht es direkt ins Herz oder besser ausgedrückt, ins Gehirn der Luftwaffe: Das Zentrum Luftoperationen der Luftwaffe (ZentrLuftOp) ist eine Kommandobehörde der deutschen Luftwaffe und dem Kommando Luftwaffe unterstellt. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Bereitstellung eines Kernstabes für einen Gefechtsstand zur Führung von Luftstreitkräften im Einsatz. Imposant sind die Einsatzzentralen, in denen auf zahlreichen computergestützten Monitoren der gesamte Luftverkehr über der Bundesrepublik Deutschland und in Nordeuropa grafisch abgebildet wird. Von hier geht im Fall eines Notfalls der Alarm direkt an eine der Alarmrotten und als „Quick Reaction Alert“ steigen dann – wie in Lechfeld erlebt – innerhalb von kürzester Zeit zwei Eurofighter auf, um die Problemsituation zu klären. Ein Kreis von Erfahrungswerten schließt sich für die Gruppe.

Die Militärpatrouille

Am vorletzten Tag fliegt die 99.InfoDVagLw vom Flugplatz Weeze mit der guten, alten „Trall“ – Bundeswehrjargon für die C-160 Transall – zurück nach Bayern und in der Otto-Lilienthal-Kaserne wartet eines der letzten Highlights – die Militärpatrouille. Frau Hauptmann Herrmann beordert die kleine Truppe in das Einsatzlagezentrum und den Soldaten auf Zeit wird folgende Lage verkündet: Aufgrund von Terroranschlägen von separatistischen Gruppen wird die Informationsveranstaltung abgebrochen und die Teilnehmer erhalten eine abschließende Kurzausbildung, um sie auf einen Einsatz vorzubereiten. Dazu werden kleine 3-4 Mann starke Einheiten gebildet, die jeweils unter Befehl einer Truppführung stehen. Jeder Trupp hat sofort in voller Ausrüstung in Felduniform, mit Koppeltragesystem, Rucksack und Gefechtshelm zur Waffenausgabe anzutreten. Koordinaten werden ausgeben und jeder Trupp hat sich unverzüglich zu seiner Station zu begeben, um dort die abschließende Ausbildung zu absolvieren.

Militärpatrouille
Viel Technik um die Übungshandgranate richtig zu werfen. (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

An den jeweiligen Einsatzorten bietet sich folgende Lage: Zwei tiefe Schluchten sind mit Hilfe von Drahtseilkonstruktionen zu überqueren, eine rund 15 m tiefe Steilwand muss mit Seilsicherung abgestiegen werden. Anschließend stehen Schießübungen mit G 36 und P 8 an.

Kurz und gut: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 99. InfoDVagLw meistern diese Herausforderungen und können am Abend aus der Hand von Brigadegeneral Rainer Keller diverse Auszeichnungen und Urkunden in Empfang nehmen.

Fazit

Nach fast zwei Wochen in Uniform war den zeitweiligen Oberleutnanten die anfangs fremde Welt der Bundeswehr sehr vertraut geworden. Wertvolle persönliche Erfahrungen, neue kostbare Kontakte in die Luftwaffe, aber auch in der Gruppe wurden geknüpft, wichtige Informationen waren vermittelt worden. Vielen fiel es nicht ganz leicht, den Feldanzug wieder mit der Zivilkleidung zu tauschen – auf jeden Fall herrschte Einigkeit, dass diese beiden Wochen ein wertvoller Lebensabschnitt bedeuteten. Leider hat es mit der „Leutnantskarriere – Leutnant, Oberleutnant, Oberstleutnant, Generalleutnant“ nicht geklappt und sogar der verliehene Offiziersgrad ging den Teilnehmern zu ihrem größten Bedauern wieder verloren. Dessen ungeachtet drückte Gruppensprecher Thomas Schulz-Spirohn, im Zivilberuf Staatsanwalt, den großen Respekt vor den in den beiden Wochen erlebten und gesehenen Leistung der Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe aus. Er übermittelte allen, die für das Gelingen dieser 99. InfoDVagLw Verantwortung trugen oder im Hintergrund tätig waren, den herzlichsten Dank aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Übrig bleibt nur zu sagen: Ziel erreicht.

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Stand vom: 31.10.14 | Autor: Walter Korinek

Der Beitrag erscheint auch auf der Webseite der Luftwaffe: https://bw2.link/T5eg9