Antjes neue Ausstellung

Am Sonntag, den 23.9.2018 war die Vernissage von Antjes neuer Ausstellung in Stuttgart.

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In den Gemeinderäumen der Christengemeinschaft in Stuttgart-Nord wird ein Querschnitt durch ihr künstlerisches Schaffen von 2000 – heute gezeigt. Die Ausstellung ist bis zum 13. Januar 2019 geöffnet.

Flyer AFlyer B

Hier eine kleine Bildernachlese und ein kurzer Bericht von der Vernissage von Antjes Ausstellung in den Räumen der Christengemeinschaft Stuttgart-Nord.

Nach einer Einführung durch Dr. Armin Buchthal führten Prof. Helmuth Kern, Neckartenzlingen, und Antje Korinek-Blessing die Anwesenden in einer „Reise zur Kunst“ in die Werke ein. Thema dieser szenischen Darstellung waren die unterschiedlichen Wege, sich Bildern durch unsere Sinne zu nähern.

Szene 1 Bilder an der Wand SEHEN

Zwei Reisende öffnen die Tür. Der eine Reisende trägt einen kleinen, braunen, sehr alten Koffer, er scheint nicht sehr schwer zu sein. Die andere Reisende ist in Hut und Mantel gekleidet und trägt einen „Handgepäckrucksack“.  Sie schauen sich suchend um Saal um,  sehen Bilder an den Wänden und auf den Staffeleien. Sie gehen langsam, etwas unentschlossen, und dann immer entschlossener auf ein Bild zu, das ihre Blicke gefangen nimmt.  Sie gehen immer näher heran, man sieht, dass sie etwas entdeckt haben, was sie interessiert, sie nehmen verschiedene Positionen ein, sie bleiben vor dem Bild stehen, ganz ruhig, und sehen dem Bild in die Augen.

Kann man Kunst sehen? Na klar. Aber man kann sie auf unterschiedliche Weise betrachten.

Bilder auf der Staffelei HÖREN
Langsam lösen die Reisenden sich vom Bann des Bildes und gehen weiter zu zwei Staffeleien, denn dort scheinen sie etwas gehört zu haben, sie wissen nicht recht was, sie wenden sich mit dem einen, mit dem anderen Ohr dem Bild zu. Sie scheinen tatsächlich etwas zu hören und sind erstaunt, denn da ist ein Murmeln zu hören, das wird lauter, verständlicher und wieder leiser.

Fremdartiger war dann schon der Impuls, ob man Bilder auch hören kann.

Bilder auf der Staffelei MIT DEM BILD REDEN
Sie nicken leicht, sie scheinen wirklich etwas verstanden zu haben,  bleiben dort stehen  (da sind keine weiteren Bilder, also bleiben wir vor der Staffelei stehen )und murmeln nun gleichzeitig, doch so, dass wenn der eine leise murmelt, der andere lauter wird und umgekehrt, die Lautstärke nimmt zu, einzelne Worte können verstanden werden, dann fast ganze Sätze. Zwei Monologe, bei denen es am Ende scheint, dass es fast Dialoge werden könnten, doch da sind die Stimmen schon wieder leiser geworden, dann Stille.

Mit einem vorgetragenen Gedicht von Juan Ramon Jiménez wurde deutlich, dass ein Wechselverhältnis zwischen Sprache und Bildsprache besteht und gestisch wurde die Frage nach der Hörbarkeit von Kunst bejaht.

Szene 4: ERHELLENDES GESPRÄCH Aus der Reisenden ist die Malerin geworden, die Künstlerin, die nun neben Ihrer Staffelei steht. Der Reisende dreht sich um, er sieht die Künstlerin stehen, geht auf sie zu, denn er denkt sich, dass sie ihm etwas sagen kann über die Bilder hier sagen kann. Die beiden stehen so, dass das Bild in der Mitte steht
und sie leicht schräg einander zugewandt, doch so, dass das Publikum Bild und Künstlerin und Reisenden gut sehen können. Der Reisende öffnet seine kleinen Koffer und holt ein Notizbuch hervor. Er scheint sich dort einiges notiert zu haben.

Aus den Monologen wurde nun ein Gespräch vor dem Bild auf der Staffelei. In einem Künstlergespräch zwischen Prof. Helmuth Kern und der Malerin berichtet Antje Korinek-Blessing über ihre Art zu malen, ihren künstlerischen Werdegang und ihr Gespräch mit ihren Bildern.
Am Ende der Ausführungen sieht H. K. zufällig einen Text auf der Staffelei.

H: Auf der Rückseite Ihrer Staffelei habe ich gerade einen interessanten Satz entdeckt, dort steht:
H liest ganz langsam, fast fragend: „Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt andere, die dank ihrer  Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln“ (Pablo Picasso)

Antje Korinek-Blessing berichtet, warum steht der Satz dort steht?

A: Jetzt habe ich aber auch eine Frage an Sie. Ich habe Sie die ganze Zeit über beobachtet. Ihr Verhalten fand ich durchaus sonderbar, wie kann man nur so Bilder anschauen?

H: ist verwundert über diese Frage und denkt nach – wie soll er bloß, das was so einfach ist, erklären.

H. K. erläuterte: „Ja, wie soll ich das ihnen so schnell erklären. So schaue ich Bilder halt immer an, wenn ich auf einer Reise zur Kunst bin. Für mich ist das selbstverständlich:
Ein Bild ist ein Gegenüber, ein Bild spricht, ein Bild spricht  alle meine Sinne an, es wendet sich an meine Wahrnehmung, ich muss es mit offenen Augen, mit  unverstelltem Blick sehen. Muss sehen, was da alles an Farben und Formen mir gegenüber ist, eckige, runde, verschwommene, deutlich konturierte. Und da ist es für mich wichtig genau hinzusehen, denn da gibt es Bewegung oder Ruhe, Aktivität oder Passivität. Und dann spricht das Bild zu mir, da gibt es laute und ganz leise Stellen, dunkle, dumpfe, schalltote Stellen, da muss ich dann schon ganz genau hinhören, die schrillen, die höre ich schnell, doch die leisen sind oft die interessanteren. Deswegen rede ich auch gerne mit den Bildern, sage ihnen was ich sehe, was das für mich bedeuten kann. Ich weiß andere sehen das anders, ja müssen das anders sehen, weil jeder das sieht, was er sehen kann und will, das ist ja gut so. Doch dann beschleicht mich immer ein Gefühl des Unbehagens. Denn es fehlt etwas. Alles sehe ich nur aus meinem Blickwinkel, meiner Perspektive, und da bin ich froh, wenn ich den treffe, der die Bilder gemacht hat, denn der spricht durch seine Bilder. Bilder sprechen eben weil die Künstler sprechen. Dann kenne ich auch den anderen Blick, der bereichert meinen und dann zeigen Bilder das, was in ihnen steckt, sie sind eine Aufforderung sich aufzumachen ins Unbekannte, neue Erfahrungen zu machen, die anregen, die Mut machen, die frei machen.“

Alle ausgestellten Bilder können auch gekauft werden.