Zusammenwachsen – zusammen wachsen


Zu diesem schönen doppeldeutigen Thema wurde ich gebeten, für ein Ausstellungsprojekt einige Fotos zu machen. Hier einige der Aufnahmen:

 

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72 Stunden in Paris


Einfach mal anschauen und Paris in unserer subjektiven Sichtweise genießen!

Kommentare zum Film:

“Awesome! )) All that Paris is being loved for. Awesome shooting and editing. It’s an inspiration. … Great video. A different and creative view on this city. Good edit too. … Great Job. Love opening this film. Thanks for sharing.”

Quelle: https://vimeo.com/222888489

 

Berlin


Ich weiß: Alles in Berlin wurde schon millionenfach gefilmt. Jedes einzelne Ding, jede Sehenswürdigkeit. Alles. Aber noch nicht von mir. Deshalb hier meine Version. Die Idee: drei Tage lang Berlin erforschen nur mit dem Smartphone als Kamera. Drei Tage zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Berlin ist eine einmalige Stadt: kreativ, lebendig und immer in Bewegung. Berlin ist eine pulsierende Stadt mit einem besonderen Flair. Eine Stadt mit einem Geist der Freiheit und Toleranz.  In diesem Kurzfilm versuchte ich zu erzählen, wie ich Berlin während einer dreitägigen Reise mit einigen meiner Schüler erlebt habe. Wir besuchten den Bundestag, das Jüdische Museum, das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, den Checkpoint Charlie und natürlich das Brandenburger Tor.

Alles wurde aus der Hand gefilmt mit meinem Windows 10 Phone Nokia Lumia 930.

Bearbeitet mit  Edius 8.
Musik von Dag Reinbott

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It’s true. Anything in Berlin has been photographed a billion times. But not by me. So this is my version. Travelling light. Only with my smartphone as camera.Travelling light. The idea – exploring Berlin for three days. Three days on foot and by public transportation. Only with my smartphone as camera.

This city is full of life – it’s creative, energetic and cutting-edge. This city attracts people from all over the world. In an environment of unparalleled diversity, it captures the attitudes and lifestyles of people from over 180 nations and really makes the city by the Spree “the place to be.” Berlin is a vibrant city with a very special flair. A city with a spirit of freedom and tolerance. In this short film I tried to tell how I experienced Berlin during a three day’s trip with some of my students. We visited the Bundestag, the German House of Parliament, the Jewish Museum, the Sowjet War Memorial, Checkpoint Charlie and of course the Brandenburger Tor.

Everything was filmed handheld with my Windows 10 Phone Nokia Lumia 930.

EUROPA: Gestern – Heute – Morgen


Anastasia, Christina und Anna, Mike, Costas und Tamer besuchen die 9. Klasse einer Werkrealschule in Baden-Württemberg. In den letzten Wochen befassten sie sich im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Nationalsozialismus. Wir begleiten die Jugendlichen auf einer Studienfahrt ins benachbarte Frankreich. Dort begegnen sie einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

1945 lag Europa zerstört am Boden. Nationalismus und ein verbrecherisches Regime in Deutschland führten dazu, dass im Laufe der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts viele Millionen Menschen durch Kriege, Holocaust und Terror den Tod fanden.

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Eine neue Zeit musste beginnen, die geprägt sein sollte durch Vertrauen und Kooperation. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn sich alle weiterhin an das erinnern, was zu den Katastrophen der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Herrschaft geführt hatte. Deshalb unternahm die Schule eine Studienfahrt zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof im Elsass.

Der Film befasst sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte – den Konzentrationslagern. Er dokumentiert einen Besuch von Schülern in der Gedenkstätte und ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das Video entstand in einem Kooperationsprojekt der Auwiesenschule Neckartenzlingen mit der Bundeswehr. Jugendoffizier Hauptmann Nötte verschaffte den Schülerinnen und Schülern durch die besonderen Kontakte der Bundeswehr zum französischen Verteidigungs­ministerium  eine deutschsprachigen Führung mit der Historikerin Marie Koehn.  Ihre fachwissenschaftlich und fachdidaktisch sehr versierte Führung durch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof konnte bei den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Betroffenheit über die Geschehnisse während der Zeit der Nazi-Herrschaft erzeugen. Die bei der Führung verwendeten Medien und handlungsorientierte didaktische Vorgehensweise ermöglichten es den Jugendlichen sehr gut, eine Verbindung zwischen den historischen Geschehnissen und den Ausstellungsobjekten auf dem Gelände herzustellen und aktiv in die Auseinandersetzung mit der Thematik einzutreten.

Richard von Weizsäcker drückte die Problematik der Konfrontation mit diesem Abschnitt der deutschen Geschichte in seiner berühmten Rede vom 8. Mai 1985 anlässlich der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa so aus:

„Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen…

Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren…“

Nachdem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend durch Konflikte, Kriege und Terror geprägt war, stellte sich den Menschen in der zweiten Hälfte eine neue Aufgabe.

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Ein Aspekt, der relativ wenig Beachtung findet, berührt die Streitkräfte der europäischen Länder. Insbesondere am Beispiel der beiden zentraleuropäischen Staaten Frankreich und Deutschland gelang es in besonderer Weise, aus Feinden in zunehmenden Maß Verbündete und Freunde zu machen.

Ein besonderer Dank gebührt im Rahmen des Unterrichtsprojekts Herrn Hauptmann Nötte, Jugendoffizer im Bereich Stuttgart. Nachdem er in einem Gespräch von unserem Projekt erfahren hatte, bot er der Schule den Besuch des Eurocorps in Strasbourg an. Dort führte der Pressesprecher die Schüler anschaulich in die Ausgangslage, die historische Entstehung und Entwicklung der Deutsch-Französischen Brigade und des Eurocorps und die Aufgabenstellung dieser Einheiten im Rahmen der europäischen Sicherheitskonstellation ein.

Betrachtet man den Zustand der Europäischen Gemeinschaft in der Gegenwart kann man zwar dankbar feststellen, dass es gelungen ist, seit 1945 die Völkerverständigung mindestens in Mitteleuropa entscheidend voranzutreiben. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde. Allerdings warten angesichts der aktuellen Probleme im EU-Raum auf die kommende Generation eine Vielfalt an weiteren Aufgaben.

In Vielfalt geeint – so lautet der Leitspruch, der die Arbeit der Parlamentarier im Europaparlament prägt. Hier einige Eindrücke aus dem „Parlamentarium“, dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments in Brüssel.

Weiterführende Links:

Elefanten – Wildbeobachtung im Etosha National Park/Namibia


Der Hintergrund für diesen kurzen Film ist rasch erzählt: Im Oktober 2016 entdeckte ich auf meiner Festplatte noch einiges an Filmmaterial aus Namibia, das ich für recht gut hielt, aber noch nicht filmisch verwertet hatte. So entschloss ich mich, zusätzlich zu unserem langen Namibiafilm (https://wkorinek.wordpress.com/travel/) noch einen kurzen Streifen mit diesem Material zu machen. Auf die Misere der afrikanischen Elefanten wurde ich schon seit längerem durch die Fotos von Nick Brandt aufmerksam. Zusätzlich wurde ich noch durch den Kameramann und Regisseur Richard Ladkani und seinen Film „Ivory Game“ inspiriert.

So entstand dieser kurze Film. Ich versuche über die Bilder das Thema der Jagd auf die großen Wildtiere aus Profitsucht oder Großmannsgetue im Gegensatz zur Naturfotografie anzureißen.

Hier noch einige Hintergrundinformationen dazu:

Zwischen 1980 und 1990 wurde die Bevölkerung der afrikanischen Elefanten mehr als halbiert, von 1,3 Millionen auf rund 600.000. Aufgrund des Great Elephant Census von 2016 wird die Zahl der afrikanischen Savannenelefanten auf dem ganzen Kontinent auf rund 380.0000 Tiere geschätzt. Vierundachtzig Prozent der ermittelten Tiere wurden in gesetzlich geschützten Gebieten gesichtet. Der Etosha National Park in Namibia ist eines davon. Den Zählungen zufolge sank in den 15 Staaten, aus denen historische Vergleichsdaten vorliegen, die Zahl der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) zwischen 2007 und 2014 um 30 Prozent – oder 144.000 Tiere. Im Schnitt schrumpfen die Bestände derzeit um acht Prozent pro Jahr, berechneten die Forscher. Grund dafür sei vor allem Wilderei. Seit Dezember 1988 gibt es im Etosha Nationalpark eine Spezialeinheit gegen professionelle Wilderei (Anti-Poaching Unit), die teilweise wochenlang unterwegs ist. Diese zielt nicht auf Gelegenheitswilderer, die über den Zaun klettern, um einen Springbock oder ein Warzenschwein für den Eigenbedarf zu erlegen, sondern auf kriminelle Banden, die mit automatischen Waffen dutzende Tiere töten oder Elefanten und Nashörner wegen ihrer Stoßzähne oder Hörner erlegen.

Elefanten, Giraffen und Zebras sind drei der 55 Säugetierarten im Etosha Nationalpark. 1954 wurden im Park 26 Elefanten gezählt. 1967 wurde die Elefantenpopulation auf 500 geschätzt. Heute gibt es im Nationalpark mehr als 2 500 Elefanten.

Der Erfolg des Etosha Nationalparks als touristische Attraktion kann mit Zahlen dokumentiert werden. Vor eineinhalb Jahren, im Jahre 1955, besuchten 6 210 Personen den Park. Im Jahr 1990, dem Jahr der Unabhängigkeit Namibias, war die Zahl auf 90 000 angewachsen. Heute besuchen mehr als 200 000 Personen den Etosha Nationalpark pro Jahr.

Quellen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/elefanten-dramatisches-elefantensterben-in-afrika-a-1110409.html

https://web.archive.org/web/20140807012109/http://www.met.gov.na/Pages/ParkBrochures.aspx

https://web.archive.org/web/20151219141050/http://www.met.gov.na/Documents/Etosha%20Fact%20sheet2.pdf

Und hier noch noch einige Szenenfotos:

 

„Wir kommen als Freunde“


Was lange währt, wird endlich … . Na, ja – ob der Film „gut“ geworden ist, möchte ich dem Urteil von Ihnen/Euch überlassen. Auf jeden Fall ist er nun nach über acht Monaten fertig. „Wir kommen als Freunde“ ist der Titel meiner Dokumentation über deutsche Einsatzkräfte von KFOR und EULEX im Kosovo. 

Zum Inhalt des Films:

Der Kosovo – seit dem Mittelalter ist dieser Landstrich immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen und Kriege. Serben und Albaner kämpften um die Vorherrschaft, am 15. Juni 1389 fand hier unweit von Pristina die Schlacht auf dem Amselfeld statt. Die vereinigten Heere der christlichen Herrscher von Serbien und Bosnien standen dem osmanischen Heer unter Sultan Murad I. gegenüber. Die Schlacht endete ohne eindeutigen Sieger. Aber die Anführer beider Heere fielen im Kampf und bald wurden die realen Ereignisse Stoff für eine Legendenbildung, die bis heute in den Auseinandersetzungen auf dem Balkan eine Rolle spielen.

Zuletzt war der Kosovo Schauplatz eines der blutigsten Kapitel der Balkankriege in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. 1998 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern zu einem kriegerischen Konflikt.  Hunderttausende Einwohner des Kosovo waren auf der Flucht. Es wurden etwa 650 Ortschaften beschädigt oder zerstört, darunter historisch wertvolle Bausubstanz. Nach umfangreichen Recherchen des Humanitarian Law Centers – einer Nicht-Regierungsorganisation – kamen in den beiden Jahren 1998 und 1999 13.526 Albaner, Serben und andere ums Leben oder sind vermisst. Beendet wurde der Krieg durch eine Intervention der NATO unter Beteiligung der deutschen Bundeswehr, in der Serbien vor allem mit Luftangriffen zum Rückzug gezwungen werden sollte. Politisch war dieser Einsatz damals heftig umstritten, da er ohne formelles UNO-Mandat durchgeführt wurde. Die Gegner des Einsatzes warfen dem Bündnis einen Bruch des Völkerrechts vor, während die Befürworter, allen voran der damalige deutsche Außenminister Fischer auf die humanitäre Bedeutung der Intervention hinwiesen.

Nach der Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Kosovo-Truppe, kurz KFOR (englisch Kosovo Force) als multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO in den Kosovo entsandt. Ihr obliegt es, gemäß der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 10. Juni 1999 beschlossenen Resolution 1244 für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu sorgen. Sie bestand ursprünglich aus Kontingenten von über 40 Staaten und wies eine Truppenstärke von mehr als 50.000 Soldaten auf. Auch die Bundeswehr war von Anfang an mit verschiedenen starken Kontingenten an dieser Aktion beteiligt.

Ich hatte Gelegenheit, im Oktober 2015 das 42. Deutsche KFOR-Kontingent zu besuchen und mir einen Eindruck von der heutigen Wirkung dieses Einsatzes der Bundeswehr zu verschaffen. Davon handelt diese Dokumentation.

Die Woche im Kosovo hat mir deutlich vor Augen geführt, wie hilfreich dieser Auslandseinsatz der Bundeswehr und der anderen Hilfskräfte ist, um diesem Land und seinen Bewohnern die Chance zu geben, in Sicherheit die wirtschaftliche und soziale Befriedung und Entwicklung voran zu treiben.

Hier ein Link zu einem Printartikel über eine Übung der Einsatzkräfte

KFOR – Einsatz im Kosovo


,Im Herbst 2015 hatte ich die Gelegenheit, eine Woche das 42. Deutsche Einsatzkontingent im Rahmen des KFOR-Einsatzes im Kosovo zu besuchen.

Der Text und der Film handeln von einem in Deutschland nahezu in Vergessenheit geratenen Einsatz. 1999 wurde ein multinationaler Truppenverband nach den brutalen Auseinandersetzungen im Kosovo dorthin entsandt, um für Frieden und Sicherheit der Bewohner dieses Landstrichs einzustehen. Heute ist es relativ ruhig dort. Allerdings genügen kleine Anlässe, um die Emotionen hochkochen zu lassen und noch immer gibt es eine sehr hohe Dichte an Waffen in diesem Land. So dient die Anwesenheit der KFOR-Einsatzkontingente auch in der jetzigen Situation immer noch dazu, dass Menschen sicher und in Frieden leben können.

Daraus entstand die folgende Reportage in Text und Film:

Bernd S. liegt regungslos auf der Trage. Am rechten Oberschenkel des 23-jährigen Obergefreiten ist ein Druckverband angelegt. Der Sani kontrolliert den Puls und überwacht die Vitalfunktionen des jungen Soldaten des 42. Deutschen Einsatzkontingents der KFOR-Truppen im Kosovo.

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Abtransport eines verletzten Kameraden

Vier Kameraden stehen um die Trage und schauen besorgt auf den junge Mann. Hauptfeldwebel Toni B., der Truppführer, hat die Verletzung in Stufe Alpha eingeordnet und den Medevac-Helikopter angefordert, der den Kameraden ins Einsatzlazarett zur Notversorgung bringen soll. Stufe Alpha besagt, dass es um Leben oder Tod geht und der Verletzte innerhalb einer Stunde in ärztlicher Versorgung sein muss.

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Blackhawk Rettungshubschrauber

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Crew-Chief Lieutenant Bill H.

Ungeduldig schauen die Soldaten in Richtung der untergehenden Sonne. Von dort muss der große Blackhawk-Hubschrauber der US-Air-Force kommen. Und tatsächlich ist kurze Zeit später das rhythmische Knattern des Motors zu hören und im Tiefflug kommt der Heli mit dem roten Kreuz am Bug über einen Hügel. Der Lärm der Motoren und das Schwirren der Rotoren wird ohrenbetäubend. Wenige Sekunden später ist der Rettungshubschrauber gelandet. Die Seitentür öffnet sich und 1st Lieutenant Bill H., der Crew-Chief, springt heraus. Er rennt geduckt zu den Bundeswehrsoldaten mit dem verletzten Kameraden, klärt kurz mit dem Truppführer die Lage und bedeutet den Helfern, die Trage nun zum Hubschrauber zu tragen. Auf das Kommando „Hebt … an!“ tragen die Soldaten ihre Kameradin im heftigen Wind unter dem laufenden Hauptrotor und bringen die Trage zum Rettungshelikopter. Sekunden später hebt der Blackhawk ab

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Die Kosovo-Force

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Major Christian Schneider

Ich bin beeindruckt von der Präzision, mit der alles ablief. Bernd S. steht lachend neben mir und hebt den Daumen. „Klasse gelaufen“, meint er. Zum Glück war alles nur eine Übung – allerdings mit sehr realistischem Hintergrund, wie ich kurze Zeit später erfahre. Ich bin mit Major Christian Schneider, dem Pressestabsoffizier des 42. Deutschen Einsatzkontingents KFOR, im Feldlager Novo Selo im nördlichen Kosovo und besuche die Einsatzkompanie beim Training. Eine Situation, wie ich sie soeben erlebt habe, könnte sich jeden Augenblick ereignen.

Der Norden des Kosovo ist auch 16 Jahre nach dem Ende des Krieges immer noch ein Gebiet, in dem sich verfeindete Bevölkerungsgruppen gegenüberstehen. Ein kleiner Anlass reicht, um gewalttätige Aktionen auszulösen. Die KFOR-Truppe hat die Aufgabe, zwischen den Konfliktparteien zu stehen, und den Menschen hier das Leben in Frieden und Sicherheit zu garantieren. Die große Mehrheit der Leute hier wünscht sich auch genau dies und begegnet der multinationalen KFOR-Truppe deshalb mit großer Sympathie.

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Gepanzertes Fahrzeug Fuchs

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KFOR-Soldaten in Prizren

Die „Kosovo Force“ – kurz KFOR genannt – wurde im Zuge des blutigen Balkankriegs im Jahre 1999 installiert. Am 10. Juni 1999 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1244 und regelte den Einsatz der NATO-Sicherheitstruppe Kosovo Force (KFOR). Als erste Aufgabe sollte KFOR den Abzug der jugoslawischen Truppen und die Entmilitarisierung des Kosovo überwachen. Zu dieser Zeit setzte sich die Eingreiftruppe aus Kontingenten von über 40 Staaten zusammen und wies eine Truppenstärke von mehr als 50.000 Soldaten auf. Acht Jahre später, im August 2007 waren noch 37 Nationen mit ca. 16.000 Soldaten beteiligt. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar 2008 blieb KFOR mit Zustimmung der kosovarischen Regierung im Land. Grundlage für die militärische und zivile Präsenz ist weiterhin die UN-Resolution 1244. Die Mission hat auch heute noch den Auftrag, ein sicheres Umfeld im Kosovo aufzubauen und zu erhalten. Dazu gehört auch die Überwachung, Prüfung und gegebenenfalls Durchsetzung der Entmilitarisierung der rivalisierenden ethnischen Gruppen. Darüber hinaus ist die Aufgabe der militärischen Mission, humanitäre Hilfe in Notsituationen zu leisten, die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen zu fördern sowie die Arbeit internationaler Hilfsorganisationen zu unterstützen. Hierzu arbeitet KFOR eng mit den Missionen der Vereinten Nationen (UNMIK) und der Europäischen Union (EULEX) im Kosovo zusammen. UNMIK hat wesentliche Aufgabenfelder im Polizei- und Justizaufbau im April 2009 an die EU Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX übergeben. Mit der Billigung der NATO zur weiteren Reduzierung der Einsatzstärke von KFOR vom 29. Oktober 2010 wurde die Gesamtpersonalstärke KFOR auf derzeit etwa 4.600 Soldatinnen und Soldaten, davon knapp 700 aus Deutschland, reduziert. Von den 30 beteiligten Nationen sind nun noch acht Nationen – darunter auch die Schweiz – als Nicht-NATO-Mitglieder vertreten. Das deutsche Einsatzkontingent KFOR besteht aus dem deutschen Anteil im Hauptquartier in Pristina, dem Feldlager in Prizren mit dem deutschen Einsatzlazarett und einer Einsatzkompanie im Lager Novo Selo in der Nähe von Mitrovica.

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Oberst i.G. Jörn Villmann

Zerbrechlicher Frieden

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Waffe am Mann

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KFOR auf den Straßen

Am nächsten Morgen bin ich zu einem Gespräch mit Oberst i.G. Jörn Villmann im Feldlager Prizren verabredet. Schon am Sonntagabend lernte ich den 53-jährigen während eines Militärgottesdienstes im Feldlager Prizren kennen. Der ruhig und besonnen wirkende Offizier ist Kommandeur des 42. Deutschen Einsatzkontingents KFOR. Konzentriert lauscht er in seinem Büro meinen Fragen und weist auf die immer noch schwierige Situation im Lande hin: „Dieser Einsatz hier im Kosovo heißt ja auch im Volksmund der vergessene Einsatz. Das rührt daher, dass es hier seit 1999 immer besser geworden ist mit der Situation. Die Situation ist wiederum manchmal etwas hochkochend, dass Kleinigkeiten reichen, um die Volksseele wieder zu erregen. Und dafür ist es gut, dass die KFOR und die deutschen Truppen hier vor Ort sind, um letztendlich dann mit ihrer Präsenz – allein mit ihrer Präsenz – für Ruhe zu sorgen und alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Befragt zur aktuellen Lage schildert der Kommandeur: „Die Soldaten fahren Patrouille, die Fahrzeuge mit dem Symbol der KFOR sind ständig auf den Straßen des Landes unterwegs und halten so die Anwesenheit der Mission ständig im Bewusstsein der Bevölkerung.“ Ob die Soldaten deshalb möglicherweise als Besatzungsmacht gesehen werden, frage ich bei Gelegenheit Major Schneider. Aus seinen Erfahrungen verneint er diese Vermutung und meint: „Dies kann bei einigen Menschen so sein, bei der großen Mehrheit sind unsere Leute hier sehr gerne gesehen, man hat sehr großes Vertrauen zu den KFOR-Kräften.“ Und der Oberst ergänzt:  „Deshalb dürfen sich die Soldaten auch relativ frei bewegen – allerdings mit der Waffe am Mann.“ Villmann betont aber auch: „Wir müssen wachsam sein, weil gerade die letzten politischen Entscheidungen z. B. die Schaffung des serbischen Gemeindeverbandes doch wieder bei vielen Teilen der Bevölkerung die Seele hochkochen lässt.“

Mit dieser Maßnahme möchte die Regierung des Kosovo der serbischen Bevölkerungsgruppe im Norden mehr Selbstbestimmungsrechte geben, um damit zu einem normalen Miteinander der ethnischen Gruppen im Lande zu kommen. Aber dies wird von einigen Gruppen – allen voran die radikal-nationalistische Partei Vetevendosje – im Land zum Anlass für neue Diskussionen und Demonstrationen genommen. Die Opposition protestiert dagegen, dass die serbischen Gemeinden im Norden des Kosovo eine de-facto-Autonomie bekommen. Bereits zum zweiten Mal im Oktober haben die extremen Gegner der Normalisierung im kosovarischen Parlament Tränengas versprüht. Sie wollen damit die Rücknahme eines Autonomie-Abkommens mit der serbischen Minderheit im Norden des Landes erzwingen.

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In Prizren

Ähnlich sieht dies auch Silke Sielaff. Sie ist Chief of Joint Operation Room der EULEX in Pristina. Hinter diesem Titel verbirgt sich die Leitung des Einsatz- und Lagezentrums der Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union im Kosovo. EULEX Kosovo ist eine Mission der Europäischen Union, in deren Rahmen zwischen 1.800 und 2.000 Polizisten, Richter, Gefängnisaufseher und Zollbeamte in den Kosovo entsandt werden. Sie sollen dem Land beim Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung helfen und haben weitreichende, von der Administration des Kosovo unabhängige Befugnisse. Aus Deutschland wurden rund 60 Polizeibeamte, ein Zollbeamter und rund 30 Fachleute aus der Justiz zu dieser Mission abgestellt. Militärisch abgesichert wird EULEX Kosovo von der KFOR-Truppe der NATO, die im Auftrag der Vereinten Nationen auch weiterhin Ausschreitungen in dem multi-ethnischen Gebiet verhindern soll, dessen Bewohner sich zu Albanien bzw. Serbien zugehörig oder aber als Bürger eines unabhängigen Staates sehen. Die studierte Juristin und Leitende Polizeidirektorin betont: „Auf den ersten Anschein ist die Situation hier im Kosovo sehr friedlich, sehr ruhig. Was man auf den ersten Blick hier nicht sieht, ist, dass es eine sehr fragile Ruhe ist. Das heißt, man muss hier jederzeit damit rechnen, dass das kleinste Ereignis, der kleinste Anstoß dazu führen kann, dass die Lage hier mit einem Mal explodiert und man hier Auseinandersetzungen in Größenordnungen hat, die wir bei uns eher nicht kennen. Eine Besonderheit hier im Kosovo ist mit Sicherheit, dass wir eine unheimlich hohe Verfügbarkeit von Waffen haben. Hier ist es Standard, dass man seine AK-47 [das häufig auch als Kalaschnikow genannte automatische Sturmgewehr] im Garten vergraben hat und wir erleben regelmäßig Schießereien, auch hier in der Stadt in Pristina.“ Sie führt aus, dass Polizisten schon beobachtet haben, dass Schulkinder aus nichtigen Anlässen mit echten Waffen aufeinander schießen. So täuscht der Eindruck, dass hier alles friedlich ist und eine ganz normale Situation herrscht. Nach außen scheint es so zu sein, aber unter der Oberfläche gärt es und es bedarf nur eines ganz kleinen Anstoßes, um das Pulverfass hier zur Explosion zu bringen.“

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Ltd. Polizeidirektorin Silke Sielaff

Vernetzte Sicherheit – das Einsatzkonzept der Bundeswehr

Am Abend bin ich mit Major Schneider und dem Kommandeur Oberst Villmann und dessen Adjutanten Hauptmann S. im „Schweizer Chalet“ im Feldlager Prizren verabredet. Hinter dieser anheimelnden Bezeichnung verbirgt sich die Freizeiteinrichtung des schweizerischen KFOR-Kontingents. Die Kameraden aus dem Alpenland haben sich für die langen Abende während des vier Monate dauernden Einsatzes eine Berghütte gebaut, wie sie auch auf einem der Gipfel  in einem der heimatlichen Kantone stehen könnte. Natürlich stehen die nationalen Lokalitäten jeder Nation immer auch den Soldaten der anderen Kontingente offen. Und wenn es etwas Besonderes sein soll, isst man im eidgenössischen Chalet eben ein Rindersteak vom Heißen Stein bei einem Gläschen trockenen mazedonischen Rotweins. Ich frage Oberst Villmann, was es heißt, vier Monate ohne Urlaub in einem fremden Land im Einsatz zu sein. „Klar“, meint er, „das ist schwierig und Beziehungen werden schon auf eine starke Belastungsprobe gestellt.“

Manchmal stößt es den Soldaten auch bitter auf, dass man bei Einsätzen wie hier im Kosovo oder vielleicht stärker in Afghanistan, seinen Dienst unter schwierigen Bedingungen leistet und in Deutschland nimmt niemand Notiz davon. Oft genug erleben die Männer und Frauen zuhause auch eine deutliche Geringschätzung oder sogar offene Ablehnung. Das Wort vom Soldat als potentiellen Mörder ist ja immer noch nicht vom Tisch. Manchmal fragen sich die Soldaten, ob es den Bürgern zuhause bewusst ist, dass die Bundeswehr ein Verfassungsorgan ist, alle Einsätze vom Bundestag – also den gewählten Abgeordneten – des Volkes beschlossen wurden und alles unter der Prämisse steht, Frieden in der Welt zu sichern.

Deutlich wird diese Zielsetzung auch hier im Kosovo. Wie bei allen Einsätzen der Bundeswehr ist auch das Deutsche KFOR-Kontingent Teil eines Konzepts mit der Bezeichnung „Comprehensive Approach“. Die militärische Komponente ist immer nur ein Teil einer breit angelegten Aktion aus Diplomatie, humanitärer Hilfeleistung und Unterstützung der Justiz und Verwaltung im Einsatzland. So treffen sich auch der Kommandeur und andere KFOR-Offiziere regelmäßig mindestens einmal in der Woche mit der Botschafterin in Pristina, der Leitung von Eulex-Kosovo und Vertretern von Hilfseinrichtungen sowie Nicht-Regierungsorganisationen. Dabei wird immer beraten, wie das System der „Vernetzten Sicherheit“, so die übertragene Bedeutung des englischen Begriffs des Comprehensive Approach angepasst an die jeweilige Situation optimal umgesetzt werden kann. So wie hier im Kosovo die KFOR zum Schutz der EULEX-Beamten dient, hat die Bundeswehr in allen Einsatzgebieten in aller Regel die Funktion, eine räumlich und zeitlich umgrenzte Zone von relativer Sicherheit zu schaffen, in der die anderen verhältnismäßig sicher arbeiten können.

Vor meinem inneren Auge erwachen bei diesen Erklärungen der beiden Offiziere Bilder von gewalttägigen Auseinandersetzungen zwischen den Ethnien im Kosovo auf der Brücke von Mitrovica, die auch mit Handgranaten ausgetragen wurden. Ich sehe vor mir die Ruinen des Erzengelklosters bei Prizren, das ich besucht habe; 2004 wurde es von albanischen Extremisten in Brand gesteckt. Ich erinnere mich an jüngste Reportagen über Blockaden der serbischen Bewohner des Nordkosovo, um die Verwaltung der kosovarischen Regierungsinstitutionen zu verhindern. Immer wieder werden dabei kosovarische Sicherheitskräfte angegriffen, ein Polizist wurde getötet. Zwei deutsche KFOR-Soldaten wurden 2011 angeschossen, als sie versuchten, eine Straßensperre bei Jagnejenica zu räumen, zur gleichen Zeit wurden 19 deutsche und elf österreichische Soldaten bei Zusammenstößen im Nordkosovo schwer verletzt. 2012 wurden zwei Bundeswehrangehörige durch Serben angeschossen, als sie eine in der Ortschaft Rudare errichtete Sperre räumen wollen.

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Mahnmal für gefallene Soldaten

Eine deutliche Sprache spricht das Mahnmal für die im Einsatz im Kosovo ums Leben gekommenen KFOR-Soldaten auf dem Gelände des Feldlagers Prizren: 27 junge Menschen verloren in diesem Land seit 1999 ihr Leben. Angesichts dieser Tatsachen frage ich mich an diesem Abend, ob diese Zusammenhänge den Lehrern und Schulleitungen bewusst sind, die sich feiern lassen, weil sie ihre Schule für „bundeswehrfrei“ erklären, wie jüngst eine Schule in Oberhausen, die dafür auch noch mit einem „Friedenspreis“ in Höhe von 1000 Euro ausgezeichnet wurde.

Ergänzend gibt es eine Filmreportage zum Thema vom gleichen Autor

Ich bedanke mich beim 42. deutschen Einsatzkontigent KFOR, seinem Kommandeur Oberst i.G. Jörn Villmann und dem Pressestabsoffizier in Prizren Major Christian Schneider sehr herzlich für die tolle Unterstützung.

Kamera, Schnitt & Musik: Walter Korinek (Canon XF100)

KFOR – Peace mission in Kosovo: A documentary about an almost forgotten operation. In 1999, the multinational military unit KFOR was sent there after the brutal conflicts in Kosovo, to help this land for peace and security of the residents.

Zum Autor:

Im  Hauptberuf ist Walter Korinek promovierter Erziehungswissenschaftler und Schulleiter. Daneben arbeitet er als freier Journalist und Filmemacher. Von 2013 bis 2015 absolvierte er eine Ausbildung am Deutschen Journalistenkolleg Berlin mit einer Examensarbeit im Bereich  Fernsehjournalismus mit dem Titel  „Vom Turnschuh zum Kampfstiefel“. Die Reportage wurde für den Camgaroo Award 2015 nominiert. Im Oktober 2015 besuchte er nach ausführlichen Recherchen über die Einsatzwirklichkeit deutscher Soldaten eine Woche lang das 42. Einsatzkontingent der Bundeswehr im Rahmen des KFOR-Einsatzes im Kosovo.