Source of Inspiration

Ich habe auf Vimeo einen Kanal erstellt mit einer Sammlung von Filmen, die auf unterschiedliche Art eine Quelle der Inspiration darstellen: Aufnahmetechnik, Schnitt oder einem besonderen Inhalt.

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I have created a new channel on Vimeo: „Source of Inspiration“. It’s a collection of films that provide a source of inspiration in different ways: recording technique, editing or special content.

 

Cote Sauvage

Die wilde Küste der Bretagne – wieder ein kleiner Film mit dem Windowsphone Lumia 930 und zugleich – ganz nebenbei – ein Fashionfilm.

Selbstverständlich ist dies kein echter Werbeclip 🙂 Die simple Wahrheit: Während einer Wanderung auf einem der tollen Wanderwege entlang der Cote Sauvage an der bretonischen Westküste kam mir die Idee, wie wohl ein Werbefilmer diese großartige Naturkulisse umsetzen würde. Gesagt – getan: Ich schnappte mir mein Smartphone, konzentrierte mich auf das neue Outfit meiner Frau und kombinierte dies zuhause mit einigen Naturaufnahmen. Voila – fertig ist eine Annäherung an aktuelle Lifestylewerbung mit dem Touch des Nicht-Perfekten.

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Captured at Pointe Brezec/Bretagne with Antje Korinek-Blessing. The wild coast of Brittany – again a short film with the Windows Phone Lumia 930 and at the same time – quite by the way – a fashion film.

Of course, this is not a real advertising clip 🙂 The simple truth: During a hike on one of the great hiking trails along the Cote Sauvage on the Breton west coast, the idea came to me how an advertising filmmaker would implement this great natural backdrop. Said – done: I grabbed my smartphone, focused on the new outfit of my wife and combined this at home with some nature shots. Voila – ready is an approach on current lifestyle advertising with a touch of non-perfectionism.

Music: „Beautiful mood“ by Dag Reinbott

Die Linie ist die Spur des sich bewegenden Punktes

Liebe Freunde und Bekannte,
im Rahmen der Ausstellung „Kompositionen“, die seit dem 9. Juli und noch bis zum 11. Oktober in der Galerie im Rathaus Neckartenzlingen läuft, fand am 29. September 2017 ein Künstlergespräch zwischen Prof. Helmuth Kern und Antje Korinek-Blessing statt.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, aber sich trotzdem für die Inhalte interessieren, entstand der Film über diese Veranstaltung.
Wir freuen uns über Kommentare und Rückmeldungen, sei es persönlich, telefonisch oder als Kommentar.
Herzliche Grüße
Antje Korinek-Blessing & Walter Korinek

 

Warnung: Dieser Film widerspricht in hohem Maße heutigen Sehgewohnheiten.

Erstens – er ist lang! Menschen mit Aufmerksamkeitspannen, die an YouTube-Clips von maximal drei Minuten gewohnt sind, werden von der Länge der Dokumentation heillos überfordert.

Zweitens – er verzichtet auf oberflächliche Spannungselemente und effektvolle visuelle Darstellungsformen.

Drittens – er ist nicht unterhaltsam, spaßig oder ablenkend, sondern verlangt vom Betrachter die Bereitschaft, sich auf ein Thema und gedankliche Entwicklungen konzentriert einzulassen.

Wer allerdings bereit ist, diese Hürden anzugehen, der kann einem spannenden Gespräch über Kunst beiwohnen. Die beiden Protagonisten Antje Korinek-Blessing, freie Künstlerin, und Prof. Helmuth Kern, bedienen sich eines nahezu in Vergessenheit geratenen Mittels der Bildinterpretation, dem Künstlergespräch. Ausgehend von zwei vermeintlich gegensätzlichen Positionen – der gegenständlichen Malerei versus einer in hohem Maß abstrahierten Kunst – entwickeln die beiden Experten Gestaltungsprinzipien künstlerischen Arbeitens. Anhand eines Bildes werden diese Grundsätze zur Interpretation herangezogen. So kann sich auch jemand, der sich noch nicht ausgiebig mit moderner, nichtgegenständlicher Kunst beschäftigt hat, beispielhaft den Gehalt eines solchen Bildes erschließen. Dass dies keine leeren Versprechungen sind, zeigen im letzten Teil des Films, die Reaktionen des Publikums, die beim Gespräch in der Galerie im Rathaus Neckartenzlingen anwesend waren.

Hier einige Szenenfotos:

When I’ve had too much reality, I open a book

Ich liebe lange romantische Spaziergänge durch Buchhandlungen.

Bücher erreichen Stellen, da kommt der Fernseher gar nicht hin.

Ein gutes Buch liest man so schnell wie möglich, um sich dann darüber zu ärgern, dass man es so schnell gelesen hat.

Ein verregneter Tag ist ein Geschenk an alle Leseratten

Berlin

Ich weiß: Alles in Berlin wurde schon millionenfach gefilmt. Jedes einzelne Ding, jede Sehenswürdigkeit. Alles. Aber noch nicht von mir. Deshalb hier meine Version. Die Idee: drei Tage lang Berlin erforschen nur mit dem Smartphone als Kamera. Drei Tage zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Berlin ist eine einmalige Stadt: kreativ, lebendig und immer in Bewegung. Berlin ist eine pulsierende Stadt mit einem besonderen Flair. Eine Stadt mit einem Geist der Freiheit und Toleranz: Bundestag, das Jüdische Museum, das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, den Checkpoint Charlie und natürlich das Brandenburger Tor.

Alles  aus der Hand gefilmt mit dem Windows 10 Phone Nokia Lumia 930.

Bearbeitet mit  Edius 8.
Musik von Dag Reinbott

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It’s true. Anything in Berlin has been photographed a billion times. But not by me. So this is my version. Travelling light. Only with my smartphone as camera.Travelling light. The idea – exploring Berlin for three days. Three days on foot and by public transportation. Only with my smartphone as camera.

This city is full of life – it’s creative, energetic and cutting-edge. This city attracts people from all over the world. In an environment of unparalleled diversity, it captures the attitudes and lifestyles of people from over 180 nations and really makes the city by the Spree “the place to be.” Berlin is a vibrant city with a very special flair. A city with a spirit of freedom and tolerance: The Bundestag, the German House of Parliament, the Jewish Museum, the Sowjet War Memorial, Checkpoint Charlie and of course the Brandenburger Tor.

Everything was filmed handheld with Windows 10 Phone Nokia Lumia 930.

Die Urenkel von Gutenberg

Wir befinden uns in einer Revolution. Nein, ich meine nicht die politischen Entscheidungen in Berlin, Paris, Washington, Peking oder Moskau. Die Umwälzung bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir kommunizieren.

Seit um 1450 von Johann Gutenberg der Butastaturchdruck erfunden wurde und die Schriftkultur Einzug in das Alltagsleben fand, gab es keine andere technische Erfindung, die unser aller Leben so sehr veränderte. Die Rede ist von den sogenannten „Neuen Medien“, PC, Notebook, Tablet und Smartphone. Seit diese Medien flächendeckend verbreitet sind, hat sich unser Kommunikationsverhalten tiefgreifend verwandelt.

Blogger sind anders

Waren früher Journalisten diejenigen, welche Informationen recherchierten, redigierten sendenund verbreiteten, ist dies heute Allgemeingut geworden. „Nicht jeder ist Journalist. Aber (fast) jeder publiziert jetzt wie ein Journalist“, so bringt es der Kognitionspsychologe Christian Stöcker auf den Punkt. [1] Aber während sich professionelle Journalisten an Normen, eine ethische Fundierung halten (sollten) und notfalls für Verstöße dagegen zur Verantwortung gezogen werden, operieren die zahllosen Blogger, Podcaster und Twitterer in einem schier endlosen Freiraum. Meldungen und Meinungen, Texte, Fotos und Videos überschwemmen in Massen weltweit die Smartphones. Das Bild nutzerder Wirklichkeit ist davon entscheidend geprägt – und je jünger die Rezipienten sind, desto stärker sind sie von dieser neuen Art der Informationsgewinnung geprägt. Nicht mehr die Nachrichtensendungen in Fernsehen, Rundfunk oder Zeitung beeinflussen insbesondere bei Jugendlichen die Realitätswahrnehmung. Es sind die schnellen Infos auf Twitter, YouTube oder WhatsApp, welche Weltwissen vermitteln und gleichzeitig aber auch unreflektiert die Meinungen, Auffassungen oder im schlimmsten Fall die manipulativen Absichten des jeweiligen Autors transportieren.

Was hilft?

generation-smphMaschinenstürmerei, Verteufeln der Neuen Medien ganz sicher nicht. Aus meiner Sicht hilft nur, dass Eltern, Lehrer und andere pädagogische Vermittler sich dieser Aufgabe stellen. Jugendliche müssen lernen, dass in Medien kein objektives Bild der Realität dargestellt wird. Jede Information ist durch die Brille des Informanden beeinflusst. Christian Stöcker fordert deshalb: „Heute muss sich jeder Medienkonsument Fragen stellen, die bislang in der Regel nur Wissenschaftler und Journalisten beschäftigten: Wer spricht da und mit welcher Motivation, mit welchen Belegen? Gibt es eine zweite, unabhängige Quelle?“[2]  Diese medienkritische Auseinandersetzung ist die zentrale pädagogische Aufgabe unserer Zeit.

diskussion

Das muss die Schule vermitteln. Wer könnte es sonst?

[1] http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/digitalisierung-3-dinge-die-schueler-lernen-muessen-kolumne-a-1123115.html

[2] ebda

Die Säulen der Welt – CHARTRES

Die erste Station unserer Reise ist Chartres. Genauer gesagt: Die Kathedrale von Chartres. Etwa 75 km südwestlich von Paris nahe dem geographischen Mittelpunkt Frankreichs gelegen. Eigentlich ein Ort wie es in Frankreich viele gibt – ein Zentrum, einige Restaurants, die obligatorischen Salons de Thé und viele Läden.

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Aber Chartres hat etwas Besonderes: Die erste gotische Kirche überhaupt, sozusagen das Original. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Modell für alle anderen gotischen Kirchen dieser Welt. Diese Vorstellung finde ich schon ungeheuer beeindruckend. Vorher gab es das nicht: Säulen, die in den Himmel streben, Wände, die mit Glasfenstern durchlässig gemacht sind und Licht in den Bau lassen. In einem Reiseführer lese ich: „Die Erbauer der Kathedrale haben nicht nur mit Erfahrung, handwerklicher Meisterschaft, Berechnung gearbeitet. Ausschlaggebend war der Drang, die Seele des Menschen aufzurichten und ihn von der Erdenschwere zu befreien. In der mittelalterlichen Vorstellungswelt symbolisierte die Kathedrale die himmlische Gottesstadt. Ein himmlisches Jerusalem, das das Kirchenvolk in seine schützenden Mauern aufnimmt.“

Deshalb ist diese Stadt Anziehungspunkt für Zehntausende. Kunstinteressierte aus der ganzen Welt reisen während des ganzen Jahres nach Chartres. Was zieht sie hier her? Es ist die Kathedrale, die auf dem höchsten Punkt der Stadt erbaut weit in die Landschaft der Beauce hinaus schaut. August Rodin, der Bildhauer, und einer ihrer begeistertsten Bewunderer schrieb über die Kirche: „Die Kathedrale ist die Synthese des Landes, Felsen, Wälder, Gärten, die Sonne des Nordens, dies alles ist in ihrem gigantischen Körper enthalten.“

Für viele Menschen ist die Begegnung mit dieser Kathedrale eines der ganz großen künstlerischen und spirituellen Erlebnisse. „Palast der Jungfrau“ wurde sie im Mittelalter genannt, Rodin nannte sie die „Akropolis Frankreichs“ und Rainer Maria Rilke drückte es ganz lapidar aus: „Chartres war groß“.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ist das Besondere an dieser Kirche?

Es gibt unzählige gotische Kathedralen. Chartres ist das Original. Dieser Kirchenbau begründete am Ende des 12. Jahrhunderts die neue Formenwelt der Gotik. Will man begreifen, was hier entstand, muss man sich zunächst eine Welt denken, in der es keine derartigen, in den Himmel strebenden Kirchen gab. Ein geistiger Zeugungsvorgang, deOLYMPUS DIGITAL CAMERAr eine ganze Epoche inspirieren sollte, fand hier an diesem Ort statt. Besucht man die Kathedrale von Chartres kann man einen Prozess von weltgeschichtlicher Bedeutung nachempfinden: Zum ersten Mal in der Entwicklung des Menschen tritt in diesem Bau die Aufrichtekraft des menschlichen Ichs, ein neues Selbstbewusstsein, hervor. Geistig als Schule von Chartres bekannt, werden die Kernaussagen dieser Theologen in der Kathedrale als architektonische Gestaltungselemente sichtbar.

Gemeinsam ist dieser Kirche mit mancher anderen, dass sie an der Stelle eines vorchristlichen Heiligtums errichtet wurde. Das Besondere aber ist, dass in diesem christlichen Heiligtum die alte Tradition aufgegriffen wurde und diese Tradition bewahrt und fortgeführt wurde. Damit reichen die Wurzeln dieser Kirche in eine mehr als zweitausendjährige Vergangenheit der keltischen Kultur zurück. Das Geheimnis der Jungfrauengeburt wird hier als geistiger Vorgang gepflegt. Im Tempelbezirk von Carnutum – so wurde Chartres bei den Römern genannt – muss ähnlich wie in der irischen Kirche eine Vereinigung uralter Mysterienweisheit mit christlichen Impulsen stattgefunden haben.

Im Innern der Kathedrale erlebt man noch den ursprünglichen Eindruck einer gotischen Kirche. Gleichzeitig zeigt sich Chartres als die harmonischste, ausgeglichenste, klassischste aller Kathedralen – so Michael Ladwein in seinem hervorragenden Führer durch dieses Gotteshaus. Über die ganze Breite des Hauptschiffs ist im Mittelteil ein aus schwarzen und weißen Steinplatten gebautes Labyrinth eingelassen. Leider ist durch die heutige Bestuhlung in der Regel davon nicht viel zu sehen.

Die Seele der gotischen Kirche sind die Glasfenster. „Wer eine gotische Kirche mit alten Glasfenstern betritt, hinter dem versinkt, was auf Erden Gültigkeit hat. Er ist in ein Reich versetzt, das nicht von dieser Welt ist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Licht, das aus den Feuerkelchen des Glases tropft, ist kein irdisches, ist ein verklärtes Licht.“ So drückt die Dichterin Ricarda Huch aus, was man im Innern der Kathedrale von Chartres erleben kann. Dieser Bau verfügt über einen fast geschlossenen Bestand an originalen Glasfenstern. Von 186 Fenstern sind 145 noch im Originalzustand aus dem Mittelalter.

Ungeheuer spannend ist die Krypta. Man muss sich das vorstellen: Unter dem heutigen Kirchenschiff liegt eine Unterkirche mit den gleichen Dimensionen. Lange Gänge unter den Seitenschiffen fassen Hunderte von Gläubigen. Und dann die Statue der Jungfrau, die sogenannte Schwarze Madonna. Ihr ist die ganze Kirche gewidmet. Mehr und mehr wird mir das Geheimnis der Jungfrauengeburt eingängig. Es geht ja dabei nicht um biologische Vorgänge. Es geht dabei um die geistige Geburt des Menschen. Darum, dass der Mensch nicht nur als körperliches Wesen existiert, sondern als geistiges Wesen aus göttlichem Ursprung geboren wird. Deshalb die mythologische Figur der Jungfrau und der Engel, der Maria erscheint. Ein irdischer Mann ist zwar der biologische Vater, der Engel – himmlische Wesen – sind die Erzeuger der geistigen Natur der Menschen. Übrigens erfahre ich in Büchern über Chartres, dass diese Idee schon in der Religion der Kelten hier in Vorgängerbauten der Kathedrale praktiziert wurde. Die sogenannte Schule von Chartres greift damit auf uralte vorchristliche Gedanken zurück und integriert sie
in ihr Gedankengut.

Ebenso beeindruckend wie den Kirchenbau an sich sind die Skulpturen in den Portalen an der Außenwand. Lange, schlanke Gestalten mit fein OLYMPUS DIGITAL CAMERAgearbeiteten, ganz individuellen Gesichtern. Und jede dieser Figuren erzählt eine Geschichte aus der Bibel. Antje versucht, mit Hilfe ihrer mitgebrachten Bücher dem mythologischen Gehalt mancher dieser Gestalten nahe zu kommen. Ich glaube, man kann Wochen, Monate, Jahre hier verbringen und immer noch Neues entdecken.

Selbst ein nüchterner Kunsthistoriker wie Peter Meyer findet dafür nur poetische Worte: „Schwerelos und körperlos schweben die Figuren am Westportal vor den Gewändesäulen, unnahbar, leise, brennend wie Kerzen.“ Fast alle zeigen die luxuriöse höfische Mode des 12.
Jahrhunderts mit ihren kostbaren, in Längsfalten gelegten Seidengewändern. Bei den majestätischen Frauengestalten kommt einem unwillkürlich die „Dame“ der Minnesänger  in den Sinn, die ja eine Verkörperung eines höheren Ichs des Menschen darstellt. Am Südportal beeindruckt der segnende Christus mit einem Buch als Lehrer. Es ist der auferstandene Christus, der seinen Jüngern den Missionsauftrag erteilt.

Was ist es also, was Jahr für Jahr unzählige Menschen in die Kathedrale von Chartres zieht? Notre-Dame de Chartres war die erste Kathedrale der Hochgotik. Ein herrliches Monument der künstlerischen Einheit von Architektur, Bildhauerei und Glagsmalkunst. In Chartres eröffnet sich eine  geistige Dimension des Mittelalters, die wir bei historischen Darstellungen so oft vermissen. Die Erbauer der Kathedrale haben nicht nur mit Erfahrung, handwerklicher Meisterschaft, Berechnung gearbeitet. Ausschlaggebend war der Drang, die Seele des Menschen aufzurichten und ihn von der Erdenschwere zu befreien. In der mittelalterlichen Vorstellungswelt symbolisierte die Kathedrale die himmlische Gottesstadt. Ein himmlisches Jerusalem, das das Kirchenvolk in seine schützenden Mauern aufnimmt.

Fotos: Antje Korinek-Blessing & Walter Korinek

 

Die Säulen der Welt

Drei Kathedralen, zwei Klöster, vier Kirchen im Herzen Frankreichs.

Eine Reise zu kunsthistorischen Sakralbauten: Chartres, Saint Benoit sur Loire/Abbaye de Fleury, Germigny-des-Prés, St-Étienne de Nevers, St-Cyr-Ste-Julitte/Nevers, Bourges, St-Jacques/Neuvy-Saint-Sépulchre, Abbaye de Noirlac.

Einige Szenenfotos:

 

Getting closer: Mont-Sainte Odile

Der Mont-Sainte Odile, auf deutsch Odilienberg, wird der heilige Berg des Elsaß genannt.

Auf einem zur Rheinebene hin steil abfallenden Buntsandstein-Felsen befindet sich das Kloster der heiligen Odilia, der Schutzpatronin des Elsaß. Gegründet wurde das Kloster in der Merowingerzeit um das Jahr 700. Die Blütezeit des Klosters war im 12. Jahrhundert. Die damalige Äbtissin Herrad von Landsberg (1167-1195) schrieb das Buch „Hortus Deliciarum“, welches das Wissen der damaligen Zeit beinhaltete. Das Original verbrannte 1870 bei einer Belagerung Strasbourgs. Nach mehreren Plünderungen und Bränden wurde das Kloster Ende des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die Kreuzkapelle, die Engelskapelle und die Odilienkapelle stammen noch aus dem 11./12. Jahrhundert.

„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.“

Wo ist das Glück, das Goethe hier in seinen „Erinnerungen“ anspricht? Ist es in Namibia, in Island, in Jordanien – oder sonst wo auf dieser Erde? Oft empfindet man es auf jeden Fall an einem weit entfernten Ort. Hier und jetzt ist ja der Ort mit seinem Alltag, der doch mancherlei Sorgen mit sich bringt.

Goethe setzt dem sein bekanntes Wort entgegen: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.“. Es kommt nicht darauf, weit weg zu fahren, sondern zu lernen, das Glück zu ergreifen im Hier und Jetzt. Es hilft, wenn man sich klar macht, dass Glück oft gar nicht an äußere Umstände gebunden ist, sondern auch eine Frage der inneren Haltung ist.

In diesem Sinn sind diese Bilder aus dem vertrauten Umland zu sehen.

Glück braucht nicht unbedingt die weiten Reisen – auch wenn ich sie nicht missen möchte, denn sie erweitern schon ungemein den Blickwinkel. Aber es ist auch schön zu versuchen, Vertrautes, Gewohntes mit fremden Augen zu sehen – und so wird der heimische Wald eben auch mal zum „Swabian Rainforest“, dem Regenwald, den man sonst eher in fremden Erdteilen verortet.