Body Percussion – our rhythm is it!

Jugendliche der Auwiesenschule Neckartenzlingen auf einer Entdeckungsreise der besonderen Art. Ich habe diese Entdeckungsreise in einer kurzen Dokumentation gemeinsam mit meinem Kollegen Tobias Brenner festgehalten. Zu sehen ist das Video auf der Homepage der Schule unter folgendem Link http://www.aws-neckartenzlingen.de/w/medien/ und mit Szenenfotos hier.

Die Schülerinnen und Schüler werden im Musikunterricht mit Body Percussion, einer für sie neuen musikalischen Richtung, bekannt gemacht. Sie entdecken Fähigkeiten an Mitschülern, aber auch an sich selbst. Eine Entdeckungsreise beginnt. Nach dem ersten Kennenlernen der rhythmischen Übungen und einer Internetrecherche bereiten sich auf einen Wettbewerb in Body Percussion vor. Sie erfahren auch hier neue Fähigkeiten, müssen selbst eine Dramaturgie entwickeln und einüben. Ein Auswahlverfahren steht an, denn nur die beste Gruppe einer Klasse darf teilnehmen. Der Auftritt selbst weckt Begeisterung bei den Zuschauern und vermittelt den Mädchen und Jungen auf der Bühne, was es heißt, sich selbst mit Disziplin etwas erarbeitet zu haben. Aber dann gilt es auch mit einer Enttäuschung fertigzuwerden, denn eine andere Klasse gewinnt den ersten Preis.

Der Filmemacher über seine Darsteller: „Ich habe das Video mit einer 7. Klasse dieser Werkrealschule produziert. Die Mädels und Jungs zeigten dabei tollen Einsatz – Kompliment!“ Fabienne Korinek aus Nancy (weder verwandt noch verschwägert mit dem Autor des Films) schrieb einen Kommentar zum Film.

„Body Percussions: zwischen musikalischem Erwachen und Tanz. Diese Art von Aktivität beteiligt sich sowohl am musikalischen Erwachen als auch am Wissen des Körpers, seiner Möglichkeiten. Diese Körper-Percussions fördert das Gefühl für Rhythmus, Koordination, Zuhören, aber auch gestische Fähigkeiten, Geselligkeit, Vorstellungskraft und den künstlerischen Sinn. Dieses Spiel lädt die Teilnehmer ein, ihren Platz einzunehmen und miteinander in Kontakt zu treten. Die verschiedenen angebotenen Sounds sind eine Quelle des Lachens und des Spaßes. Die Teilnahme aller ist notwendig. Die abschließende Produktion vereint jeden Teilnehmer, wertschätzt sie und sie erkennen sich selbst wieder. Es ist auch ein guter Weg des nonverbalen Ausdrucks. Es kann die Verbalisierung der Erfahrung innerhalb einer Sitzung erlauben und erleichtern und ermutigt die Teilnehmer, Schwierigkeiten in Sprache auszudrücken …“

Alles in allem zeigt der Film im Alltagsleben einer Schule, wie durch Lernen neue Erfahrungen gemacht werden, wie Jugendliche lernen können, Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu entwickeln. Sie lernen aber auch die Mitschüler von anderen Seiten kennen und akzeptieren.

Hier einige Szenenfotos aus dem Film:

EUROPA: Gestern – Heute – Morgen

Anastasia, Christina und Anna, Mike, Costas und Tamer besuchen die 9. Klasse einer Werkrealschule in Baden-Württemberg. In den letzten Wochen befassten sie sich im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Nationalsozialismus. Wir begleiten die Jugendlichen auf einer Studienfahrt ins benachbarte Frankreich. Dort begegnen sie einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

1945 lag Europa zerstört am Boden. Nationalismus und ein verbrecherisches Regime in Deutschland führten dazu, dass im Laufe der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts viele Millionen Menschen durch Kriege, Holocaust und Terror den Tod fanden.

europa

Eine neue Zeit musste beginnen, die geprägt sein sollte durch Vertrauen und Kooperation. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn sich alle weiterhin an das erinnern, was zu den Katastrophen der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Herrschaft geführt hatte. Deshalb unternahm die Schule eine Studienfahrt zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof im Elsass.

Der Film befasst sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte – den Konzentrationslagern. Er dokumentiert einen Besuch von Schülern in der Gedenkstätte und ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das Video entstand in einem Kooperationsprojekt der Auwiesenschule Neckartenzlingen mit der Bundeswehr. Jugendoffizier Hauptmann Nötte verschaffte den Schülerinnen und Schülern durch die besonderen Kontakte der Bundeswehr zum französischen Verteidigungs­ministerium  eine deutschsprachigen Führung mit der Historikerin Marie Koehn.  Ihre fachwissenschaftlich und fachdidaktisch sehr versierte Führung durch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof konnte bei den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Betroffenheit über die Geschehnisse während der Zeit der Nazi-Herrschaft erzeugen. Die bei der Führung verwendeten Medien und handlungsorientierte didaktische Vorgehensweise ermöglichten es den Jugendlichen sehr gut, eine Verbindung zwischen den historischen Geschehnissen und den Ausstellungsobjekten auf dem Gelände herzustellen und aktiv in die Auseinandersetzung mit der Thematik einzutreten.

Richard von Weizsäcker drückte die Problematik der Konfrontation mit diesem Abschnitt der deutschen Geschichte in seiner berühmten Rede vom 8. Mai 1985 anlässlich der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa so aus:

„Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen…

Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren…“

Nachdem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend durch Konflikte, Kriege und Terror geprägt war, stellte sich den Menschen in der zweiten Hälfte eine neue Aufgabe.

weizsacker

Ein Aspekt, der relativ wenig Beachtung findet, berührt die Streitkräfte der europäischen Länder. Insbesondere am Beispiel der beiden zentraleuropäischen Staaten Frankreich und Deutschland gelang es in besonderer Weise, aus Feinden in zunehmenden Maß Verbündete und Freunde zu machen.

Ein besonderer Dank gebührt im Rahmen des Unterrichtsprojekts Herrn Hauptmann Nötte, Jugendoffizer im Bereich Stuttgart. Nachdem er in einem Gespräch von unserem Projekt erfahren hatte, bot er der Schule den Besuch des Eurocorps in Strasbourg an. Dort führte der Pressesprecher die Schüler anschaulich in die Ausgangslage, die historische Entstehung und Entwicklung der Deutsch-Französischen Brigade und des Eurocorps und die Aufgabenstellung dieser Einheiten im Rahmen der europäischen Sicherheitskonstellation ein.

Betrachtet man den Zustand der Europäischen Gemeinschaft in der Gegenwart kann man zwar dankbar feststellen, dass es gelungen ist, seit 1945 die Völkerverständigung mindestens in Mitteleuropa entscheidend voranzutreiben. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde. Allerdings warten angesichts der aktuellen Probleme im EU-Raum auf die kommende Generation eine Vielfalt an weiteren Aufgaben.

In Vielfalt geeint – so lautet der Leitspruch, der die Arbeit der Parlamentarier im Europaparlament prägt. Hier einige Eindrücke aus dem „Parlamentarium“, dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments in Brüssel.

Weiterführende Links:

Die Urenkel von Gutenberg

Wir befinden uns in einer Revolution. Nein, ich meine nicht die politischen Entscheidungen in Berlin, Paris, Washington, Peking oder Moskau. Die Umwälzung bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir kommunizieren.

Seit um 1450 von Johann Gutenberg der Butastaturchdruck erfunden wurde und die Schriftkultur Einzug in das Alltagsleben fand, gab es keine andere technische Erfindung, die unser aller Leben so sehr veränderte. Die Rede ist von den sogenannten „Neuen Medien“, PC, Notebook, Tablet und Smartphone. Seit diese Medien flächendeckend verbreitet sind, hat sich unser Kommunikationsverhalten tiefgreifend verwandelt.

Blogger sind anders

Waren früher Journalisten diejenigen, welche Informationen recherchierten, redigierten sendenund verbreiteten, ist dies heute Allgemeingut geworden. „Nicht jeder ist Journalist. Aber (fast) jeder publiziert jetzt wie ein Journalist“, so bringt es der Kognitionspsychologe Christian Stöcker auf den Punkt. [1] Aber während sich professionelle Journalisten an Normen, eine ethische Fundierung halten (sollten) und notfalls für Verstöße dagegen zur Verantwortung gezogen werden, operieren die zahllosen Blogger, Podcaster und Twitterer in einem schier endlosen Freiraum. Meldungen und Meinungen, Texte, Fotos und Videos überschwemmen in Massen weltweit die Smartphones. Das Bild nutzerder Wirklichkeit ist davon entscheidend geprägt – und je jünger die Rezipienten sind, desto stärker sind sie von dieser neuen Art der Informationsgewinnung geprägt. Nicht mehr die Nachrichtensendungen in Fernsehen, Rundfunk oder Zeitung beeinflussen insbesondere bei Jugendlichen die Realitätswahrnehmung. Es sind die schnellen Infos auf Twitter, YouTube oder WhatsApp, welche Weltwissen vermitteln und gleichzeitig aber auch unreflektiert die Meinungen, Auffassungen oder im schlimmsten Fall die manipulativen Absichten des jeweiligen Autors transportieren.

Was hilft?

generation-smphMaschinenstürmerei, Verteufeln der Neuen Medien ganz sicher nicht. Aus meiner Sicht hilft nur, dass Eltern, Lehrer und andere pädagogische Vermittler sich dieser Aufgabe stellen. Jugendliche müssen lernen, dass in Medien kein objektives Bild der Realität dargestellt wird. Jede Information ist durch die Brille des Informanden beeinflusst. Christian Stöcker fordert deshalb: „Heute muss sich jeder Medienkonsument Fragen stellen, die bislang in der Regel nur Wissenschaftler und Journalisten beschäftigten: Wer spricht da und mit welcher Motivation, mit welchen Belegen? Gibt es eine zweite, unabhängige Quelle?“[2]  Diese medienkritische Auseinandersetzung ist die zentrale pädagogische Aufgabe unserer Zeit.

diskussion

Das muss die Schule vermitteln. Wer könnte es sonst?

[1] http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/digitalisierung-3-dinge-die-schueler-lernen-muessen-kolumne-a-1123115.html

[2] ebda

Die Generation Smartphone und die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer

In aller Regel scheinen Jugendliche heute ihr Smartphone als eine Art Erweiterung ihrer körpereigenen Sinnesorgane anzuschauen. Lehrer dagegen scheinen – mindestens in Bezug auf Schüler  – eine immense Abneigung gegen diese Geräte an den Tag zu legen. Und das hat ja eine gewisse Berechtigung. Die Nutzung des Smartphones im Schulalltag ist in der Regel eine wenig förderliche Angelegenheit: Cybermobbing, geheime Kommunikation während des Unterrichts mit Freundinnen und Freunden via WhatsApp, Bild-, Video- und Tonaufnahmen von Mitschülern oder Lehrkräften, die dann über die sozialen Medien in mehr oder weniger netter Absicht verbreitet werden. Aber Schule kann auch ganz anders sein! Hier eine Doku über ein Projekt mit Schülern der Generation Smartphone: Schüler lernen Prinzipien von Werbung kennen und drehen mit dem Smartphone eigene Werbespots über ihre Schule.

Im Rahmen eines Projekts „Werbung und Generation Smartphone“ wurden von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 8 Videofilme produziert. Zielsetzung war es, einen Werbefilm für die Auwiesenschule vom Drehbuch über die Vertonung bis zum Schnitt zu erstellen und dabei die Grundlagen der Werbewirksamkeit zu berücksichtigen.

Mit den Schülern wurde während des Projekts ausführlich Probleme und rechtliche Bestimmungen zum Persönlichkeitsschutz und Urheberrecht behandelt. Selbstverständlich ist es bei so einem Vorhaben, dass schriftliche Einwilligungserklärungen – auch der Personensorgeberechtigten – für alle im Film auftretenden Personen eingeholt werden.

Schülerfilm 1: Die Auwiesenschule – eine prima Schule. Von Maurice Weißinger und Lisa Brückner:

Lisa und Maurice schreiben dazu: „In unserem Film haben wir versucht, alle Teilbereiche unserer Schule darzustellen, um einen Überblick über die Auwiesenschule Neckartenzlingen (Grund-und Werkrealschule) zu vermitteln. Uns lag es am Herzen, die Schule möglichst realistisch darzustellen.“

Schülerfilm 2: With a little help from my friends

In Klasse 10 der Aufwiesenschule Neckartenzlingen produzierten die Schüler im Fach „Wirtschaft und Informationstechnik“ einen Werbefilm über das Projekt „Schultechniker“. Bei den Aufnahmen verwendeten sie eine Sony NEX-VG 10 und eine QUMOX Actioncam SJ4000.
Die Story: Eine Gruppe von Schülern bereitet sich auf eine Präsentation vor. Beim letzten Check bemerken sie, dass sie kein Mikrofon haben. Das Mädchen schreibt eine SMS und bittet die Schultechniker um Hilfe. Kurze Zeit später ist einer von ihnen auf dem Weg …

Für diese Arbeit wurde Max Niebling stellvertretend für die ganze Projektgruppe von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann mit einem Landespreis der Werkrealschulen ausgezeichnet:

Mehr über dieses Projekt und die Auwiesenschule gibt es HIER.

Ergänzender Blogpost

Wenn die Schule ein Flugzeug wäre…

Zieldifferentes Arbeiten in den Klassenzimmern, Aufhebung der Verbindlichkeit von schulischen Empfehlungen für die weitere Schullaufbahn, inklusive Förderung von Schülern in Regelschulen aufgrund vom Elternwillen. Diese und noch andere bildungspolitische Vorgaben prägen das Leben in deutschen Schulen seit einigen Jahren. Selten wird danach gefragt, welchen Sinn diese Entscheidungen für die Förderung der betroffenen Schüler haben. Den Autor reizten diese Entwicklungen zu folgender Glosse frei nach Bertolt Brechts Vergleich von Haifischen und Menschen:

 von Walter Korinek

Wenn die Schule ein Flugzeug wäre, dann wäre endlich alles gut! Wenn die Schule ein Flugzeug wäre, dann wäre das Kultusministerium das Management. Der Slogan des Vorstands wäre dann: „Wir können alles, was Sie als Passagier von uns verlangen“. Egal ob dem Einen vor allem ein gutes Essen und erlesene Weine wichtig sind, der anderen ein ruhiger Schlaf, dem nächsten die Erreichung der unterschiedlichsten Ziele dieser Welt, wieder einer anderen eine perfekte medizinische Versorgung – das Management böte allen an, jeden Wunsch zu erfüllen ohne Ansehen der Person.

Wenn die Kultusverwaltung die Geschäftsleitung einer Fluggesellschaft wäre, verspräche sie allen alles und verbreitete den Slogan „Mit uns können Sie alles erreichen, was Sie wollen.“ Der Vorsitzende der Airline selbst und seine Kollegen im Vorstand wären natürlich keine Piloten, hätten in der Regel auch keinerlei fliegerische Erfahrungen. Sie verstünden sich aber selbst als absolut kundenorientiert. Unternehmensberater der unterschiedlichsten Beratungsfirmen wären auf allen Ebenen tätig. Fortbildungen für das fliegende Personal würden zunehmend von externen Beratungsfirmen zur Steigerung der diversen Ziele der Gesellschaft angeboten. Die Verwaltungsebene der Gesellschaft wüchse im Verhältnis zum fliegenden Personal, die administrative Ebene gewänne auch enorm an Wichtigkeit, da alle diese Aufgaben organisiert werden müssen. Strukturfragen der Airline stünden im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Wenn die Schule ein Flugzeug wäre, dann könnten als Ergebnis dieser Strukturreformen endlich Passagiere mit den unterschiedlichsten Reisezielen in ein und dasselbe Flugzeug einsteigen – und alles ganz ohne Bordkarte. Sie hätten natürlich die unterschiedlichsten Wunschträume hinsichtlich dessen, was dort angeboten wird – aber alles mit der selbstverständlichen Erwartung, dass diese Anliegen von der Besatzung schnellstmöglich, effektiv und effizient umgesetzt werden.

Die Piloten und die Besatzung eines solchen Flugzeugs wüssten zwar manchmal nicht, wie sie mit diesen unterschiedlichen Erwartungen zurechtkommen sollten. Möglicherweise wären sie vielleicht – nicht immer, manchmal, hier und da – ein wenig desorientiert. Als Gegenmaßnahme böte die Geschäftsleitung die Botschaft an, dass die neue Geschäftspolitik den längst fälligen Paradigmenwechsel abbilden würde, den die Kunden alle erwartet hätten. Gemäß dieser Vision sei es die Mission der Airline, endlich dieses „All-Inclusive- Angebot“ anbieten zu können. Mit einigen Fortbildungen der Besatzungen würde man alles in den Griff bekommen und nun endlich kundenorientiert und voll inklusiv arbeiten. Wenn die Schulen Flugzeuge wären, dann würden allerdings die Maschinen nach kurzer Zeit alle nur noch auf dem Boden bleiben. Die Crews wären vollständig damit beschäftigt, die unterschiedlichen Wünsche der Passagiere zieldifferent zu planen, sich in vielen Fortbildungen von Unternehmensberatern schulen zu lassen und über die verschiedenen Arten zu diskutieren, wie, wohin, mit welchen Ressourcen, warum und wozu das Flugzeug fliegen solle.

Ja, wenn die Schule ein Flugzeug wäre… .

Wenn Du ein Schiff bauen willst, … lehre die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer – und vermittle Bildung.

Ein Kommentar über den Gebrauch von Metaphern bei Bildungsreformen.

 von Walter Korinek

„Wenn Du ein Schiff bauen willst,so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer!“ Der bekannte Satz von Antoine de Saint-Exupery ziert Unmengen pädagogischer Literatur unserer Zeit. Allerdings würde sich der Verfasser vermutlich im raschen Tempo rotierend im Grab drehen, wüsste er, in welchen Zusammenhängen die Aussage heute verfälscht wird.

Sehnsucht allein ist kein Allheilmittel

Oft wird Saint-Exupery heutzutage als Kronzeuge dafür missbraucht, dass es keinerlei Bildung, Fähigkeiten oder Fertigkeiten mehr bedürfe, um ein Werk schaffen zu können. Die Sehnsucht nach etwas würde schon ausreichen, um es auch realisieren zu können. Aber reicht das wirklich aus?

Saint-Exupery wollte mit seinem bekannten Satz aufzeigen, wie wichtig das Wollen ist, um in die Tat kommen zu können. In der heute gebräuchlichen Verballhornung des Zitats dagegen zeigt sich das Dilemma der Bildungslandschaft der letzten Jahre seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals wurde die Grundlegung zu der Meinung gelegt, dass jeder alles lernen könne, wenn er nur wolle und die Lehrer gut genug sind, es dem Lernenden gut beizubringen. Stellt man heute versuchsweise bei Google die Frage, ob jeder alles lernen könne, bekommt man fast nur noch zustimmende Aussagen. Die Tatsachen sprechen leider eine andere Sprache. Gibt es nicht genügend Menschen, die trotz erheblicher Bildungsbemühungen der Schulen extrem wenig Wissen haben, aber dafür umso mehr Meinung. Und gerade die schreien zur Zeit sehr laut: „Wir sind das Volk!“ Ob Ignoranz ein Produkt mangelnder Begabung ist, kann man bezweifeln, aber noch zweifelhafter scheint der grenzenlose Optimismus vieler Bildungsreformer.

Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln

Diese Aussage von Wilhelm von Humboldt fasst den Begriff der Bildung, wie er seit mehr als 200 Jahren als Grundlage allen schulischen Bemühungen galt. Parallel mit der Abschaffung der Begabung verschwand allerdings auch der Begriff der Bildung aus der pädagogischen Landschaft. Ging man bisher davon aus, dass ein Mensch über einen Grundbestand an Wissen und Kenntnissen verfügen muss, um als mehr oder weniger gebildet zu gelten, geht es heute nur noch um Kompetenzen. Beim Bildungsbegriff geht man davon aus, dass der Mensch in der Lage sein soll, sich ein „Bild“ von der Welt, von einer Sachlage machen zu können, um dann ggf. aufgrund dieses Urteils angemessen handeln zu können. Der Kompetenzbegriff verengt das Lernen auf die Bewältigung konkreter, praktischer Aufgaben. Eigenständige Beurteilung ist nicht mehr gefragt – und damit kommt es natürlich letztlich auch zu einer Nivellierung des Denkens an sich. Es geht nicht mehr darum, möglichst komplexe Niveaustufen denkerischen Handelns zu vermitteln, sondern nur noch darum, die Kompetenz zu haben, ein konkretes Problem – letztlich unabhängig von der geistigen Durchdringung – zu lösen.

Gleichzeitig wurde eine Verlagerung der Verantwortung für das Lernen vom Lernenden auf den Lehrenden vorgenommen. Seit etwa 30 Jahren ist nicht mehr der Schüler verantwortlich, ob er etwas gelernt hat, sondern versagt hat im Zweifelsfall der Lehrer oder die Schule oder das Schulsystem.

Leistung  ist der Quotient aus verrichteter Arbeit und der dazu benötigten Zeit. 

Diese physikalische Definition von Leistung entspricht im Wesentlichen auch dem üblichen Verständnis von Leistung – aber nicht mehr dem in der modernen Pädagogik. Hier geht es vornehmlich um ein mehr oder weniger kreatives Wollen mit relativ undefinierbaren Ergebnissen. Oft ist die rhetorisch gekonnte Präsentation des Wenigen wichtiger als die Substanz. Wenn sich Schüler heute – wie in der baden-württembergischen Gemeinschaftsschule – in Lernateliers nach ihrem eigenen Zeitplan mit Inhalten in unterschiedlichen Niveaustufen gemäß ihrer eigenen Selbsteinschätzung selbstorganisiert beschäftigen, ist von Leistung im herkömmlichen Sinn nicht mehr die Rede. Letztlich wird durch die Negation des Begabungs- und des Bildungsbegriffs auch das Leistungsprinzip überflüssig.

Damit wird allerdings das grundlegende Prinzip einer demokratisch-rechtsstaatlichen Bürgergesellschaft eliminiert. Leistung soll nach unserer Verfassung die Grundlage gesellschaftlichen Erfolgs sein und nicht Herkunft, Einfluss, Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen. Heute allerdings scheinen gerade diese Faktoren zu Lasten des Leistungsprinzips immer mehr an Einfluss zu gewinnen. Nicht selten spielt ja auch die rhetorische Begabung die entscheidende Rolle für Erfolg. So genannte Soft-Skills, also emotionale Faktoren, sind auf dem Vormarsch – zumindest im Schulbereich.

Sehnsucht und Bildung sind nötig

Für die Befürworter der  oben skizzierten pädagogischen Entwicklungen ist ein differenziertes Schulsystem überflüssig, ja schädlich. Es beruht ja letzten Endes auf dem humboldtschen Bildungsideal und dem Leistungsprinzip. Wenn es darum nicht mehr geht, ist das Konzept der Einheitsschule und der damit verbundene Paradigmenwechsel der Pädagogik nur folgerichtig. Die neue Schulart wirbt mit Versprechen nach leichter Erreichbarkeit von hohen Bildungsabschlüssen um Schüler und Eltern, ohne dass ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt worden wäre. Das Schlagwort des „individuellen Lernens“ gaukelt vor, dass die Erreichbarkeit von schulischen Qualifikationen möglich ist, indem Schüler nach ihren Neigungen und in ihrem individuellen Lerntempo selbstorganisiert  mit Unterstützung von Lernbegleitern lernen. Die Schule wird mehr und mehr von der Bildungseinrichtung zum Instrument des „Social Engineering“, mit dem ideologische Sichtweisen gesellschaftlich durchgesetzt werden.

Man muss sich  allerdings fragen, ob es zielführend ist, zugunsten eines Experiments mit fraglicher Begründung die fundierten und bewährten Grundlagen des Bildungswesens ohne Not aufzugeben. Vielleicht gibt es zu denken, dass die US-amerikanischen Eliteuniversitäten sich am humboldtschen Bildungsideal ausrichten. Man kann mit Fug und Recht bezweifeln, dass die Medizin nach der in der deutschen Bildungspolitik zurzeit gegriffen wird, ein probates Mittel für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft darstellt. Es ist zweifellos richtig, dass die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer der Bildung die Grundlage des Lernens darstellt. Ebenso richtig ist allerdings auch, dass dies allein keine Basis für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft darstellt. Geboten ist neben guten Vorsätzen auch die Vermittlung von Bildung als Fundament eines mündigen Bürgers mitsamt einer leistungsorientierten Unterrichtsmethodik.

Sind Mauern oder Windmühlen angebracht?

Kehren wir zum Schluss noch einmal in die blumige Welt der Bilder zurück, die von den Bildungsreformern so gerne benutzt wird: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Wer weiß, vielleicht haben die doch Recht, die sich mit Mauern vor allzu heftigen Stürmen schützen, vielleicht entpuppt sich aber auch der Wind des Wandels als laues Lüftchen, das mehr Bewegung verspricht, als es halten kann.

Hilfsprojekt „Little Bugs“

Wir reisen gerne.  Wir dokumentieren unsere Erlebnisse und Erfahrungen in Fotos und Filmen. Allerdings wäre es unredlich, allein bei den Naturschönheiten und den freundlichen Menschen, die wir kennenlernen durften, stehen zu bleiben: In vielen Ländern liegen bittere Armut und riesiger Reichtum immer noch ganz dicht beieinander. Dies bewusst wahrzunehmen, gehört für uns auch zu einem Aufenthalt in einem fremden Land. Vom Wahrnehmen allein wird allerdings noch nichts besser. Wir wollen deshalb unseren kleinen Teil dazu beitragen, Situationen zu verbessern. Deshalb unterstützen wir  Projekte vor Ort, bei denen wir die Empfänger bzw. Kontaktpersonen persönlich kennen. kobl-media

Sie können auch mithelfen! Jeder Euro hilft. Besuchen Sie uns auf: http://www.koblfoto.com/hilfsprojekte.htm

Wir versprechen Ihnen, dass wir 100% Ihrer Spende direkt weiterleiten. Außerdem spenden wir von jeder bestellten  DVD in unserem Shop 10% an unser Hilfsprojekt.

Kurzes Video über eine Heissluftballonfahrt über der Namibwüste. Am Ende gibt unser Pilot John de Almeida einige Informationen über ein Schulprojekt in Sossusvlei. Die Erklärung ist leider nur auf englisch aufgenommen worden. John berichtet hier über eine Schule für 14 Kinder, die dort 170 km entfernt von der nächsten größeren Schule entstand, und nun in Selbsthilfe ausgebaut werden soll.