EUROPA: Gestern – Heute – Morgen


Anastasia, Christina und Anna, Mike, Costas und Tamer besuchen die 9. Klasse einer Werkrealschule in Baden-Württemberg. In den letzten Wochen befassten sie sich im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Nationalsozialismus. Wir begleiten die Jugendlichen auf einer Studienfahrt ins benachbarte Frankreich. Dort begegnen sie einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

1945 lag Europa zerstört am Boden. Nationalismus und ein verbrecherisches Regime in Deutschland führten dazu, dass im Laufe der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts viele Millionen Menschen durch Kriege, Holocaust und Terror den Tod fanden.

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Eine neue Zeit musste beginnen, die geprägt sein sollte durch Vertrauen und Kooperation. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn sich alle weiterhin an das erinnern, was zu den Katastrophen der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Herrschaft geführt hatte. Deshalb unternahm die Schule eine Studienfahrt zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof im Elsass.

Der Film befasst sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte – den Konzentrationslagern. Er dokumentiert einen Besuch von Schülern in der Gedenkstätte und ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das Video entstand in einem Kooperationsprojekt der Auwiesenschule Neckartenzlingen mit der Bundeswehr. Jugendoffizier Hauptmann Nötte verschaffte den Schülerinnen und Schülern durch die besonderen Kontakte der Bundeswehr zum französischen Verteidigungs­ministerium  eine deutschsprachigen Führung mit der Historikerin Marie Koehn.  Ihre fachwissenschaftlich und fachdidaktisch sehr versierte Führung durch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof konnte bei den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Betroffenheit über die Geschehnisse während der Zeit der Nazi-Herrschaft erzeugen. Die bei der Führung verwendeten Medien und handlungsorientierte didaktische Vorgehensweise ermöglichten es den Jugendlichen sehr gut, eine Verbindung zwischen den historischen Geschehnissen und den Ausstellungsobjekten auf dem Gelände herzustellen und aktiv in die Auseinandersetzung mit der Thematik einzutreten.

Richard von Weizsäcker drückte die Problematik der Konfrontation mit diesem Abschnitt der deutschen Geschichte in seiner berühmten Rede vom 8. Mai 1985 anlässlich der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa so aus:

„Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen…

Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren…“

Nachdem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend durch Konflikte, Kriege und Terror geprägt war, stellte sich den Menschen in der zweiten Hälfte eine neue Aufgabe.

weizsacker

Ein Aspekt, der relativ wenig Beachtung findet, berührt die Streitkräfte der europäischen Länder. Insbesondere am Beispiel der beiden zentraleuropäischen Staaten Frankreich und Deutschland gelang es in besonderer Weise, aus Feinden in zunehmenden Maß Verbündete und Freunde zu machen.

Ein besonderer Dank gebührt im Rahmen des Unterrichtsprojekts Herrn Hauptmann Nötte, Jugendoffizer im Bereich Stuttgart. Nachdem er in einem Gespräch von unserem Projekt erfahren hatte, bot er der Schule den Besuch des Eurocorps in Strasbourg an. Dort führte der Pressesprecher die Schüler anschaulich in die Ausgangslage, die historische Entstehung und Entwicklung der Deutsch-Französischen Brigade und des Eurocorps und die Aufgabenstellung dieser Einheiten im Rahmen der europäischen Sicherheitskonstellation ein.

Betrachtet man den Zustand der Europäischen Gemeinschaft in der Gegenwart kann man zwar dankbar feststellen, dass es gelungen ist, seit 1945 die Völkerverständigung mindestens in Mitteleuropa entscheidend voranzutreiben. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde. Allerdings warten angesichts der aktuellen Probleme im EU-Raum auf die kommende Generation eine Vielfalt an weiteren Aufgaben.

In Vielfalt geeint – so lautet der Leitspruch, der die Arbeit der Parlamentarier im Europaparlament prägt. Hier einige Eindrücke aus dem „Parlamentarium“, dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments in Brüssel.

Weiterführende Links:

„Wir kommen als Freunde“


Was lange währt, wird endlich … . Na, ja – ob der Film „gut“ geworden ist, möchte ich dem Urteil von Ihnen/Euch überlassen. Auf jeden Fall ist er nun nach über acht Monaten fertig. „Wir kommen als Freunde“ ist der Titel meiner Dokumentation über deutsche Einsatzkräfte von KFOR und EULEX im Kosovo. 

Zum Inhalt des Films:

Der Kosovo – seit dem Mittelalter ist dieser Landstrich immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen und Kriege. Serben und Albaner kämpften um die Vorherrschaft, am 15. Juni 1389 fand hier unweit von Pristina die Schlacht auf dem Amselfeld statt. Die vereinigten Heere der christlichen Herrscher von Serbien und Bosnien standen dem osmanischen Heer unter Sultan Murad I. gegenüber. Die Schlacht endete ohne eindeutigen Sieger. Aber die Anführer beider Heere fielen im Kampf und bald wurden die realen Ereignisse Stoff für eine Legendenbildung, die bis heute in den Auseinandersetzungen auf dem Balkan eine Rolle spielen.

Zuletzt war der Kosovo Schauplatz eines der blutigsten Kapitel der Balkankriege in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. 1998 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern zu einem kriegerischen Konflikt.  Hunderttausende Einwohner des Kosovo waren auf der Flucht. Es wurden etwa 650 Ortschaften beschädigt oder zerstört, darunter historisch wertvolle Bausubstanz. Nach umfangreichen Recherchen des Humanitarian Law Centers – einer Nicht-Regierungsorganisation – kamen in den beiden Jahren 1998 und 1999 13.526 Albaner, Serben und andere ums Leben oder sind vermisst. Beendet wurde der Krieg durch eine Intervention der NATO unter Beteiligung der deutschen Bundeswehr, in der Serbien vor allem mit Luftangriffen zum Rückzug gezwungen werden sollte. Politisch war dieser Einsatz damals heftig umstritten, da er ohne formelles UNO-Mandat durchgeführt wurde. Die Gegner des Einsatzes warfen dem Bündnis einen Bruch des Völkerrechts vor, während die Befürworter, allen voran der damalige deutsche Außenminister Fischer auf die humanitäre Bedeutung der Intervention hinwiesen.

Nach der Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Kosovo-Truppe, kurz KFOR (englisch Kosovo Force) als multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO in den Kosovo entsandt. Ihr obliegt es, gemäß der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 10. Juni 1999 beschlossenen Resolution 1244 für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu sorgen. Sie bestand ursprünglich aus Kontingenten von über 40 Staaten und wies eine Truppenstärke von mehr als 50.000 Soldaten auf. Auch die Bundeswehr war von Anfang an mit verschiedenen starken Kontingenten an dieser Aktion beteiligt.

Ich hatte Gelegenheit, im Oktober 2015 das 42. Deutsche KFOR-Kontingent zu besuchen und mir einen Eindruck von der heutigen Wirkung dieses Einsatzes der Bundeswehr zu verschaffen. Davon handelt diese Dokumentation.

Die Woche im Kosovo hat mir deutlich vor Augen geführt, wie hilfreich dieser Auslandseinsatz der Bundeswehr und der anderen Hilfskräfte ist, um diesem Land und seinen Bewohnern die Chance zu geben, in Sicherheit die wirtschaftliche und soziale Befriedung und Entwicklung voran zu treiben.

Hier ein Link zu einem Printartikel über eine Übung der Einsatzkräfte

„Freiwillig dienen“ – eine Doku


Ein Blick hinter die Kulissen der Bundeswehr:

Eine Reportage. Kein Werbeprojekt mit Millionenbudget, sondern eine unabhängige Doku. Es ist ein Film über drei junge Menschen, die sich freiwillig für den Dienst in der Bundeswehr entschieden haben. Was bewegt diese Frauen und Männer, den Drill und die Entbehrungen im Leben als Soldat auf sich zu nehmen? Mein Bericht versucht, darauf Antworten zu finden.

Der  Film wurde am 27.6.2015/28.6.2015 vom Sender DRF1 – Deutsches Regional Fernsehen gesendet.

Herzlichen Dank an die Mitwirkenden und an das Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe, das den Film genehmigt hat.

Zum Film: Der Titel der Reportage : „Freiwillig dienen. Vom Turnschuh zum Kampfstiefel“. Erstsendung: 27.6.2015.

Für Rebecca M., Konstantin M. und Christian H. ist der 1.4.2015 ein ganz besonderer Tag. Sie haben sich nach langer Auseinandersetzung mit der Thematik des Dienstes mit der Waffe entschlossen, in die Bundeswehr einzutreten. Damit beginnt nicht nur wie bei anderen Berufsanfängern in zivilen Berufen eine Ausbildung, sondern sie begeben sich in eine andere Welt. Der Alltag in einer militärischen Organisation ist in weiten Bereichen von Regeln und Ordnungen bestimmt, die sich sehr von denen im bisherigen Zivilleben unterscheiden: Disziplin, der Begriff des „Dienstes“ für Ideen und Werte, das Zusammenleben mit fremden Menschen, die man „Kameraden“ nennt, auf engem Raum, die Unterordnung in eine durch Befehl und Gehorsam geprägte Hierarchie.

Enige Szenenfotos: 01 02 03 04 05 06 07
Der Film zeigt einen Blick hinter die Kulissen militärischen Lebens in der Grundausbildung junger freiwillig dienender Rekruten.  Absicht der Reportage ist es, über den Kontrast zwischen “Zivil” und “in Uniform” einen roten Faden herzustellen. Tobias Brenner, Medienwissenschaftler, meint: „Hier liegt im Übrigen für MICH das Faszinierende: Wie oben schon erwähnt, gibt es zwar Szenen, in denen Disziplin herrscht, die Rekruten still stehen und anfangen zu marschieren. Aber es ist schon bemerkenswert, dass für mich alles insgesamt sehr familiär, menschlich, alltäglich (einschließlich des Unterrichts) und für die Rekruten TROTZDEM (oder gerade deswegen?) sinnstiftend und Halt gebend wirkt. Der Blick hinter die Kulissen wirkt auf mich wirklich interessant und aufschlussreich: Die Beteiligten wirken trotz der Disziplin wie Menschen mit Ecken und Kanten und eben nicht wie gleichgeschaltete Roboter (außer eben in den “Stillgestanden”-Szenen, was aber in der Natur der Sache liegt). Es entsteht gleich der Eindruck, dass die Ausbildung den jungen Rekruten irgendetwas zu geben scheint: Was das genau ist, wird zwar noch nicht deutlich, erscheint mir zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht wichtig zu sein – das Entscheidende ist, dass es im Film ständig in der Luft liegt und für mich als Zuschauer spürbar wird. .“ Wichtige Stilmittel sind filmische Verknüpfungen (Großaufnahme der Turnschuhe/Sneakers zu Beginn – Kampfstiefel in der Fortsetzung; Hand auf dem Rücken in Zivilkleidung wird zu Hand auf dem Rücken mit Uniform/Handschuh).
Recherche und filmische Umsetzung
Hauptelement der Recherche war die Teilnahme des Autors an einer 14tägigen dienstlichen Veranstaltung der Bundeswehr für zivile Führungskräfte – die 99. InfoDVaGLW im Oktober 2014. Die Teilnehmer durchliefen dabei eine verkürzte Grundausbildung mit Formaldienst, Ausbildung an der Waffe, dem Gelöbnis und der Beförderung zum Oberleutnant d. R. Viele der grundlegenden Erfahrungen beim Übergang vom Zivilleben in die militärische Struktur konnte der Autor dabei selbst machen (hier der Link zum Bericht über diese Veranstaltung).
Der Film ist die Abschlussarbeit meiner Ausbildung beim Deutschen Journalistenkolleg Berlin unter der Betreuung von Daniel Moj.
Aufgenommen wurde die Handlung mit einer Reportagekamera (Canon XF 100), meist als Handkamera. Der Ton wird als Atmo mit dem Kameramikro und in den Sprachanteilen mit Richtmikrofon bzw. Lavalier- oder Handmikro, ggf. über eine Funkstrecke, aufgenommen. Länge der Reportage ca. 15 Minuten.

Im Dienst für den Frieden – die Mannschaft des Schnellbootgeschwaders der Deutschen Marine


Es ist eng, heiß und laut auf den Schnellbooten. Dennoch gibt es Wehmut – die Tage der Schnellboote sind gezählt – 2016 werden sie außer Dienst gestellt. Zuvor noch einige Eindrücke eines Besuchs bei einem Schnellbootgeschwader der Deutschen Marine. Bisher sind die Schiffe vor der Küste Libanons im Rahmen der UNIFIL-Mission der UN eingesetzt.

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Nach einem Jahr habe ich den bisherigen Film durch eine neue überarbeitete Version mit eigener Musik ersetzt. Ich bedanke mich bei allen, die den „alten“ Film angeschaut und vielleicht sogar kommentiert haben – insgesamt haben nun schon über 7000 Menschen den Bericht angesehen!

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Mehr: http://www.un.org/en/peacekeeping/missions/unifil/

Kamera: Olympus Pen e-pl1 mit 14-41mm Objektiv

Musik von mir selbst

Eine Reise in eine andere Welt


Für OLt-Korinekknapp zwei Wochen tauschte Dr. Walter Korinek, im Zivilleben Rektor der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Jeans und Sakko mit der Uniform der Bundeswehr. Gemeinsam mit anderen zivilen Führungskräften vom Bankdirektor über Projektmanager, Rechtsanwälte, einem Staatsanwalt bis zur Polizistin nahm er an einer Informationsveranstaltung der Luftwaffe teil. Er wollte sich selbst ein Bild vom Leben in der anderen Welt der deutschen Streitkräfte machen. Hier der Bericht, wie er auch auf der Homepage der Luftwaffe (https://bw2.link/T5eg9) erschien:

Zur 99.Informationsveranstaltung der Luftwaffe hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, zivile Führungskräfte eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen.

  „99. InfoDVag aufstehen!“ Angekündigt durch einen schrillen Pfiff schallt die Stimme von Hauptfeldwebel Pohl um 4.30 Uhr durch den ersten Stock der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth. Für die 15 Teilnehmer der 99. Informationsveranstaltung der Luftwaffe für zivile Führungskräfte (InfoDVagLw) sind das eher ungewohnte Töne, aber pünktlich um 5.30 Uhr treten die vier Frauen und elf Männer noch etwas unbeholfen auf dem Kasernengang an.
Gruppenfoto
Gruppenfoto bei der 7. Kompanie (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Am Ende der fast zweiwöchigen Tour durch die Luftwaffe vom 5. bis 16. Oktober 2014 sind die militärischen Gebräuche allen wohl bekannt. Und darüber hinaus verfügen die frischgebackenen zeitweiligen Offiziere über viele neue Informationen und Erfahrungen aus der „anderen Welt“, der Luftwaffe.

Kleidungskammer
Vorfreude in der Kleidungskammer (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Bereits am ersten Tag stand der Besuch der Kleiderkammer auf dem Programm und ein Crash-Kurs in Sachen Formaldienst. Von nun an haben sich die Teilnehmer künftig auch an gewisse Pflichten zu halten: Die Jacke muss zugeknöpft sein, die Hose oberhalb der Kampfstiefel enden, die Haltung ist aufrecht. Für Zivilisten ist dies alles nicht selbstverständlich und auch nicht ganz einfach. Doch Hauptfeldwebel Markus Pohl bringt es in kürzester Zeit fertig, aus der Gruppe Zivilisten soldatisch korrekt auftretende Luftwaffenangehörige zu machen, die in der Lage sind, für die gleichzeitig eingerückten Rekruten als Vorbild zu dienen.

„Ich gelobe, der Bundesrepublik treu zu dienen …“

Gelöbnis
Das Gelöbnis ist im vollen Gange (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Zum 99. Mal hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, Politiker, Juristen, Unternehmer, leitende Behördenmitarbeiter, Schulleiter eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen. Natürlich verbindet die Bundeswehr damit auch die Hoffnung, dass die Teilnehmer nach Abschluss dieses Besuchs bei der Truppe als Botschafter der deutschen Streitkräfte in der Gesellschaft auftreten. Diese Aufgabe kann man am Besten erfüllen, wenn man einen intensiven Einblick in die Strukturen und Abläufe des Lebens in der Luftwaffe gewinnt. So befördert der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons Germersheim, Oberstleutnant Dietmar Hinze, zusammen mit der Kompaniechefin der 7. Kompanie Frau Hauptmann Anke Herrmann am zweiten Nachmittag der InfoDVagLw im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses 15 Zivilisten zum Oberleutnant der Reserve. Auf die Truppenfahne geloben die 15 neuen Offiziere, zumindest für zwei Wochen „… der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Dienst an der Waffe

Auch der Dienst an der Waffe gehört zum Programm der Informationsveranstaltung in Uniform. Nach einer ersten Einführung auf dem Schießplatz werden die frischgebackenen Soldaten mit dem Sturmgewehr G 36 und der Pistole P 8 vertraut gemacht. Eine Schnellbleiche in Kartenarbeit schließt sich an, um die neuen Offiziere geländetauglich zu machen. Als Lohn für die Mühe veranstaltete dann am Abend die Stammbesatzung der 7. Kompanie unter dem Befehl von Frau Hauptmann Herrmann einen Grillabend mit fränkischen Spezialitäten. Dabei gab es Gelegenheit zu vielen heiteren, aber auch manchen ernsten Gesprächen zwischen den hauptberuflichen Soldaten und der Gruppe.

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe…

QRA
Eurofighter der QRA beim Start (Quelle: Luftwaffe/Kulla)

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe unter Führung des Projektteams mit Oberst Hilmar Dageförde und den beiden Oberfeldwebeln Vanita Schanze und Agathe Kulla beginnt am Mittwoch um 5 Uhr mit dem Wecken – diesmal mit zackiger Marschmusik. Zuerst bringt der Bus die Gruppe zum Fliegerhorst Lechfeld des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 (TaktLwG 74), einem der zwei Standorte für die Alarmrotte des Mehrzweckkampfflugzeugs vom Typ Eurofighter Typhoon. Der stellvertretende Kommodore des Geschwaders erläutert die Aufgaben: Der Luftraum über Deutschland wird, auch im Frieden, im Auftrag der NATO durch die Luftwaffe geschützt. Hierzu stellt das Taktische Luftwaffengeschwader 74 an 365 Tagen im Jahr zwei Jagdflugzeuge, deren Besatzungen und dazugehörige Techniker Dienst in einer 24-Stunden-Schicht verrichten. Diese Alarmrotte, im militärischen Sprachgebrauch QRA (Quick Reaction Alert) genannt, wird vom Gefechtstand der Luftverteidigung alarmiert und befindet sich innerhalb von 15 Minuten in der Luft. Dort wird sie über ihren Auftrag informiert. In den meisten Fällen ist der Grund für den Alarm, dass sich Flugzeuge, nicht konform zu den luftfahrtrechtlichen Vorgaben verhalten. Manchmal ist auch nur keine Kontaktaufnahme über Funk möglich. Die Alarmrotte nähert sich dem Flugzeug und versucht über Funk oder mittels Zeichen Kontakt zum Piloten aufzunehmen. Die Besatzung der Eurofighter identifiziert das Flugzeug und die Fluggesellschaft, das angestrebte Flugziel sowie mögliche Probleme der Maschine. Einen solchen Alarmstart unmittelbar neben der Startbahn mit zu erleben, stellt sicher eines der herausragenden Erlebnisse der Luftwaffenrundreise dar. Weiter ging es nach Kaufbeuren.

Das Abendessen am Standort mit dem Kommandeur Oberstleutnant Dr. Volker Pötzsch und anderen leitenden Offizieren gab wieder viele Gelegenheiten zu Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Ausbildung steht im Mittelpunkt

Das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abteilung Süd in Kaufbeuren dient der Aus- und Weiterbildung von Soldaten aller Dienstgrade in allen Teilstreitkräften und zivilem Personal im Rahmen einer Grundlagenausbildung an den Waffensystemen Tornado und Eurofighter. In einem Simulator, der bis ins Detail einem Kontrollturm ähnelt, findet die praktische Ausbildung der Soldaten statt, die in hochkonzentrierter Arbeit den Flugverkehr regeln.

Ein geselliger Kameradschaftsabend und Diskussionen über die Einsatzbereitschaft

Ein Marsch auf die Buchenbergalm bei Füssen und der anschließende Kameradschaftsabend mit Übernachtung im 10-Bett-Zimmer leitet für die Gruppe Tage mit praktischen Flugerlebnissen ein.

CH53
Auch in der CH 53 müssen Sicherheitsvorschriften befolgt werden (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

In Füssen startet ein Hubschrauber des Typs Sikorsky CH 53 und bringt alle mit einem kurzen Abstecher an Schloss Neuschwanstein zum Luftwaffenstützpunkt Penzing, wo der stellvertretende Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61, Oberstleutnant Klaus Schierlinger, einen Überblick über die umfangreichen Wartungsdienste am fliegenden Gerät gibt. Später werden die Teilnehmer der InfoDVagLw von ihm persönlich als Pilot mit der C-160 Transall nach Köln-Wahn geflogen. Die Gespräche geben natürlich auch Gelegenheit, die zahlreichen Gerüchte um die angebliche oder tatsächlichen Einsatzdefizite der Bundeswehr zu diskutieren und Fakten zu erhalten. Die Wartungsleiter erklären, dass das Verhältnis von Flugstunden zu Wartungseinheiten etwa beim Tornado bei 1:90 liegt. Der Gruppe wird rasch klar, dass es unmöglich ist, eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft des fliegenden Geräts sicher zu stellen. Der Flug in der Transall ist sicher ein weiteres Highlight des Aufenthalts in der Luftwaffe. Das über 40 Jahre alte Flugzeug, das aber durch ständige Wartungsintervalle immer noch up-to-date ist, bietet durch die spezielle Sitzposition mehr Kniefreiheit als die Business-Class jeder zivilen Maschine – und dazu noch die Gelegenheit im Cockpit der Besatzung während des Fluges über die Schulter zu schauen.

„Darauf bin ich stolz…“

So beginnt Oberstleutnant Peter Nicolin an Bord der Airbus A 310 mit der MedEvac-Ausrüstung seine Erklärungen. Und dabei meint er nicht in erster Linie, dass er schon unzählige hochrangige Politikgrößen von Altkanzler Helmut Kohl bis zur amtierenden Regierungschefin Angela Merkel zu Flugzielen in allen Kontinenten flog. Nein, was er meint, schildert er ausführlich an einem Beispiel: Ein Soldat in Afghanistan war lebensgefährlich erkrankt und musste so schnell als möglich zur rettenden OP nach Deutschland gebracht werden. Also startet der MedEvac-Airbus. In einer nicht üblichen Reiseflughöhe steuerte Nicolin die große Maschine in die Heimat zurück – den Aufstieg in normale Höhe hätte der Patient nicht überlebt -. Der Mann wurde operiert und überlebte.

Theorie und Praxis im steten Wechsel

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Waffeneinweisung im AGSAP (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Charakteristisch für die Bundeswehr ist der Wechsel von administrativen Tätigkeiten zu operativen Aufgaben – dies ist sicher eine der wertvollen Erfahrungen, welche die Teilnehmer der InfoDVag in ihr Zivilleben mitnehmen – und dieses Prinzip wird auch in der Veranstaltung selbst praktiziert. Oberstleutnant Eckhard Jeske löst Oberst Hilmar Dageförde als begleitenden Projektoffizier ab und begleitet die Gruppe zum AGSAP. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich bundeswehrtypisch ein Wortungetüm namens „Ausbildungsgerät Schießsimulation für Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen“. Mit Hilfe dieses Simulators wird nun mit den Oberleutnanten noch einmal der richtige Umgang mit Sturmgewehr und Pistole trainiert und sogar eine Gefechtssituation simuliert.

„Auf dem Weg in die neue Luftwaffe…“

Am nächsten Tag folgt konsequenterweise nach der Praxis die Beschäftigung mit theoretischen Fragen der Luftverteidigung der Bundesrepublik im Rahmen des NATO-Bündnisses. Dieter Naskrent ist Generalleutnant der Luftwaffe der Bundeswehr und Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe. Er hat ganz sicher einen vollen Terminkalender, aber an diesem Montag steht er hier in der Kommandozentrale der Luftwaffe und gibt gemeinsam mit Generalleutnant Martin Schelleis, Brigadegeneral Rainer Keller und Oberst Rüdiger Knappe den zivilen Führungskräften in Uniform Auskünfte aus erster Hand über die jetzige Struktur, Probleme und die Neuausrichtung der Luftwaffe.

Im Herz der Luftwaffe

Nach der Fahrt Richtung Kalkar und Uedem geht es direkt ins Herz oder besser ausgedrückt, ins Gehirn der Luftwaffe: Das Zentrum Luftoperationen der Luftwaffe (ZentrLuftOp) ist eine Kommandobehörde der deutschen Luftwaffe und dem Kommando Luftwaffe unterstellt. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Bereitstellung eines Kernstabes für einen Gefechtsstand zur Führung von Luftstreitkräften im Einsatz. Imposant sind die Einsatzzentralen, in denen auf zahlreichen computergestützten Monitoren der gesamte Luftverkehr über der Bundesrepublik Deutschland und in Nordeuropa grafisch abgebildet wird. Von hier geht im Fall eines Notfalls der Alarm direkt an eine der Alarmrotten und als „Quick Reaction Alert“ steigen dann – wie in Lechfeld erlebt – innerhalb von kürzester Zeit zwei Eurofighter auf, um die Problemsituation zu klären. Ein Kreis von Erfahrungswerten schließt sich für die Gruppe.

Die Militärpatrouille

Am vorletzten Tag fliegt die 99.InfoDVagLw vom Flugplatz Weeze mit der guten, alten „Trall“ – Bundeswehrjargon für die C-160 Transall – zurück nach Bayern und in der Otto-Lilienthal-Kaserne wartet eines der letzten Highlights – die Militärpatrouille. Frau Hauptmann Herrmann beordert die kleine Truppe in das Einsatzlagezentrum und den Soldaten auf Zeit wird folgende Lage verkündet: Aufgrund von Terroranschlägen von separatistischen Gruppen wird die Informationsveranstaltung abgebrochen und die Teilnehmer erhalten eine abschließende Kurzausbildung, um sie auf einen Einsatz vorzubereiten. Dazu werden kleine 3-4 Mann starke Einheiten gebildet, die jeweils unter Befehl einer Truppführung stehen. Jeder Trupp hat sofort in voller Ausrüstung in Felduniform, mit Koppeltragesystem, Rucksack und Gefechtshelm zur Waffenausgabe anzutreten. Koordinaten werden ausgeben und jeder Trupp hat sich unverzüglich zu seiner Station zu begeben, um dort die abschließende Ausbildung zu absolvieren.

Militärpatrouille
Viel Technik um die Übungshandgranate richtig zu werfen. (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

An den jeweiligen Einsatzorten bietet sich folgende Lage: Zwei tiefe Schluchten sind mit Hilfe von Drahtseilkonstruktionen zu überqueren, eine rund 15 m tiefe Steilwand muss mit Seilsicherung abgestiegen werden. Anschließend stehen Schießübungen mit G 36 und P 8 an.

Kurz und gut: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 99. InfoDVagLw meistern diese Herausforderungen und können am Abend aus der Hand von Brigadegeneral Rainer Keller diverse Auszeichnungen und Urkunden in Empfang nehmen.

Fazit

Nach fast zwei Wochen in Uniform war den zeitweiligen Oberleutnanten die anfangs fremde Welt der Bundeswehr sehr vertraut geworden. Wertvolle persönliche Erfahrungen, neue kostbare Kontakte in die Luftwaffe, aber auch in der Gruppe wurden geknüpft, wichtige Informationen waren vermittelt worden. Vielen fiel es nicht ganz leicht, den Feldanzug wieder mit der Zivilkleidung zu tauschen – auf jeden Fall herrschte Einigkeit, dass diese beiden Wochen ein wertvoller Lebensabschnitt bedeuteten. Leider hat es mit der „Leutnantskarriere – Leutnant, Oberleutnant, Oberstleutnant, Generalleutnant“ nicht geklappt und sogar der verliehene Offiziersgrad ging den Teilnehmern zu ihrem größten Bedauern wieder verloren. Dessen ungeachtet drückte Gruppensprecher Thomas Schulz-Spirohn, im Zivilberuf Staatsanwalt, den großen Respekt vor den in den beiden Wochen erlebten und gesehenen Leistung der Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe aus. Er übermittelte allen, die für das Gelingen dieser 99. InfoDVagLw Verantwortung trugen oder im Hintergrund tätig waren, den herzlichsten Dank aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Übrig bleibt nur zu sagen: Ziel erreicht.

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Stand vom: 31.10.14 | Autor: Walter Korinek

Der Beitrag erscheint auch auf der Webseite der Luftwaffe: https://bw2.link/T5eg9