Bürgerschaftliches Engagement veränderte ihr Leben: Silke Sommer-Hohl 


von Walter Korinek

 

Das Portrait zum Thema: „Bürgerschaftliches Engagement veränderte ihr Leben“ schildert eine knapp 50jährige  gelernte Reiseverkehrskauffrau, Ehefrau und Mutter dreier Kinder, die durch Veränderungen im Umfeld zur engagierten Bürgerrechtlerin und Vorsitzenden eines landesweiten Bündnisses wurde. Dadurch veränderte sich ihr ganzes Leben. Damit zeichne ich den Prozess im Leben von Silke Sommer-Hohl, bei dem sich Lebensumstände und -perspektiven aus der Normalität ins Außergewöhnliche verändern. Gleichzeitig zeigt sich darin exemplarisch, wie das „Sich-Einmischen“ im Sinne bürgerschaftlichen Engagements angesichts einer als problematisch empfundenen Situation zu neuen Chancen und Lebensaufffassungen führen kann.

 

„Was die Gestaltung von guten Schulen angeht, schwöre ich auf die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern.“, sagt Silke Sommer-Hohl im Brustton der Überzeugung. Mit raschen Schritten eilt sie aus dem Auto zu ihrer nächsten Veranstaltung, diesmal in Lauda-Königshofen, knapp 250 km von ihrem Wohnort Bad Saulgau entfernt und bringt für ihre Mitstreiter noch schnell ein bisschen Gebäck mit. Silke Sommer-Hohl lacht. Fröhlich und echt. Seit knapp einem Jahr gehören Vorträge, Diskussionen, Meetings mit  Vertretern aus Politik und Kultur und sogar Diskussionen im Fernsehen zu ihrem Leben.

Soho portrait-1Begonnen hat dies alles für die gelernte Reiseverkehrskauffrau, Ehefrau und Mutter dreier Kinder damit, dass sie als Elternbeiratsvorsitzende eines Gymnasiums mit den Plänen der politisch Verantwortlichen konfrontiert wurde, die Schullandschaft gründlich umzugestalten. Immer wieder erklärt sie auf Veranstaltungen den Ausschlag für ihr bildungspolitisches Engagement: „Seit über fünf Jahren engagiere ich mich im Förderkreis der Realschule in Bad Saulgau und als gewählte Elternvertreterin  im Gymnasium. Dazu kommen die praktischen Erfahrung mit meinen Kindern, die unterschiedliche Begabungen und Neigungen mitbringen. Aus diesem Grund besuchen sie auch verschiedene Schularten.“

Silke Sommer-Hohl beließ es nicht beim Reden und rief im Frühjahr 2012 in Bad Saulgau eine Bürgerinitiative für den Erhalt eines differenzierten Bildungssystems ins Leben. Ihre Freunde und Bekannten waren zuerst erstaunt, dass sie sich mit diesem Thema so intensiv auseinandersetzte. In den Diskussionen kristallisierten sich zwei Strömungen heraus: „Ich erlebte große und spontane Unterstützung aus verschiedensten Richtungen, auch aus Richtungen, wo ich es am wenigsten erwartet hätte“, denkt sie zurück. Aber es gab auch persönliche Angriffe und plötzliche Ignoranz. Silke Sommer-Hohl: „Es ist eine spannende Erfahrung, wie weit Toleranz, Respekt und Achtung gegenüber Mitmenschen reicht.“

Als Initiatorin des ersten Bürgerentscheids überhaupt in der Landesgeschichte Baden-Württembergs geriet Silke Sommer-Hohl ins Rampenlicht der landesweiten Öffentlichkeit. Sie wurde plötzlich von Kommunen, Verbänden und Politikern zu Podiumsdiskussionen, Impulsreferaten und zu einer Talkshow im Fernsehen eingeladen. „Das veränderte mein Leben schon sehr“, meint sie rückblickend.

Nun ist sie Vorsitzende des Bündnis-pro-Bildung Baden-Württemberg e.V., einem landesweiten Zusammenschluss voSoho Pressekonferenzn Eltern, Bürgern und Interessierten, die sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung eines differenzierten Bildungssystems einsetzen. Gäbe es nicht die dynamische Frau mit dem schwarzen Haarschopf dann wäre das Bündnis pro Bildung wohl so nicht möglich. „SoHo “ ist Verwalterin, Buchhalterin, Managerin, Organisatorin und Vorsitzende in einer Person, verantwortlich für die Vermittlung zwischen Elterninitiativen und Fachleuten, für Organisation und Finanzen, für Gespräche mit Politikern und koordiniert die Aufgaben ihrer Kollegen im Vorstand.

Wenige Tage nach der Veranstaltung in Lauda stellt die engagierte Vorsitzende auf Einladung einer Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg den Abgeordneten die Vorstellungen ihres Bündnisses vor.

Die temperamentvolle Frau spricht frei ohne Manuskript, schildert ihr Anliegen und bittet um Unterstützung. Sie lächelt, argumentiert, fordert und antwortet kompetent auf Fragen der Politikprofis. Immer wieder schiebt sie mit knappen Handbewegungen die schwarzen Haare zurück. Später im Foyer bei einem Glas Sekt wundert sie sich im Gespräch über sich selbst: „Noch vor fünf Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, vor solch einem Gremium zu sprechen. Aber der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.“ Nach einem raschen Blick auf die Uhr nimmt sie ihre Handtasche und verabschiedet sich: „Ich muss jetzt dringend nach Hause. Meine Kleine schreibt morgen eine Englischarbeit und ich muss sie noch abfragen.“