Es war einmal…

… so beginnen Märchen. Und unwillkürlich wird man an Schlossein Märchen erinnert, wenn man durch das Eingangstor des Chateau de Kervoazec fährt und das Schloss inmitten eines Parks von zehn Hektar vor sich hat. Spricht man dann mit der Schlossherrin Ursula Lattmann, erfährt man tatsächlich eine märchenhafte Geschichte von einem verfallenen Gebäude im Landesinneren der Bretagne, in das sich vor knapp  dreißig Jahren eine junge Frau aus der Schweiz verliebte. Sie kaufte für wenig Geld das dem Untergang geweihte Anwesen und begann mit unendlichem persönlichem Einsatz das Gebäude und den Park liebevoll zu restaurieren.

Heute empfängt Ursula Lattmann dort auch Gäste. Die einen kommen und logieren in einem der sechs Zimmer, die sie als luxuriöses Bed & Breakfast an Urlaubsgäste Gästevermietet. Andere feiern hier Hochzeiten oder gestalten stilvolle Events in einem gepflegten Ambiente, ab und zu nutzen auch Firmen das Schloss für Tagungen. Immer aber werden die Menschen, die das Schloss entdecken, liebevoll mit einem großzügigen Frühstück verwöhnt und gehen gestärkt in den Tag. Und manchmal – wenn sie gerade zwischen Arbeiten im Haus und Grundstück etwas Zeit hat – setzt sich die Schlossherrin mit an den Tisch und erzählt aus der über 200jährigen Geschichte des Chateau de Kervoazec.

https://www.chateaukervoazec.com/

Fotos: Walter Korinek mit freundlicher Genehmigung von Ursula Lattman, der Eigentümerin von Chateau de Kervoazec

Musik:
J. S. Bach: Gavotte (BWV 995)
by Musick’s Recreation. Milena Cord-to-Krax

(http://freemusicarchive.org/)

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Il était une fois …, les contes de fées commencent. Schloss-2Et rappelez-vous un conte de fées lorsque vous traversez la porte d’entrée du château de Kervoazec et que le château se trouve au milieu d’un parc de 10 hectares. Si vous parlez à Ursula Lattmann, vous découvrirez l’histoire d’un bâtiment délabré au cœur de la Bretagne, où une jeune femme suisse est tombée amoureuse de cette chateau il y a près de trente ans. Elle a acheté pour peu d’argent la propriété consacrée à la catastrophe, et a commencé avec passion dévouement personnel pour restaurer le bâtiment et le parc.
Schloss-5Aujourd’hui Ursula Lattmann y reçoit également des invités. On peut venir loger dans l’une des six chambres, qui les louait comme un bed & breakfast de luxe aux vacanciers. D’autres célèbrent des mariages ici, ou créent des événements élégants dans une ambiance raffinée, et les entreprises peuvent également utiliser le château pour des réunions de temps en temps. Mais toujours les gens qui découvrent le château seront aimablement traités avec un généreux petit-déjeuner et iront fort dans la journée. Et parfois – quand elle a du temps entre le travail dans la maison et la propriété – le propriétaire du château s’assied à la table et raconte l’histoire de plus de 200 ans du château de Kervoazec.

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Schloss-4Once upon a time …, that are the words fairy tales begin. And you are reminded of a fairy tale when you drive through the entrance gate of the Chateau de Kervoazec in the middle of a huge park. If you are talking to Ursula Lattmann, you will find a story of a decayed building in the heart of Brittany, to which a young woman from Switzerland fellt in love almost thirty years ago. She bought for little money the property consecrated to the doom, and began passionately to restore the building and the park with infinite personal commitment.
Today Ursula Lattmann also receives guests there. Some come and lodge in one of the six rooms, which are rented as a luxury bed & breakfast. Others celebrate weddings here, or create stylish events in a refined ambience, and companies can also use the castle for meetings from time to time. REzeptionBut always the people who discover the castle will be lovingly treated with a generous breakfast and go strong in the day. And sometimes – when she has some time between work in the house and the property – the owner of the castle sits down at the table and tells you about the more than 200 years of history of the Chateau de Kervoazec.

Photos: Walter Korinek by courtesy of Ursula Lattman, owner of Chateau de Kervoazec

https://www.chateaukervoazec.com/

Music:
J. S. Bach: Gavotte (BWV 995)
by Musick’s Recreation. Milena Cord-to-Krax

(http://freemusicarchive.org/)

Cote Sauvage

Die wilde Küste der Bretagne – wieder ein kleiner Film mit dem Windowsphone Lumia 930 und zugleich – ganz nebenbei – ein Fashionfilm.

Selbstverständlich ist dies kein echter Werbeclip 🙂 Die simple Wahrheit: Während einer Wanderung auf einem der tollen Wanderwege entlang der Cote Sauvage an der bretonischen Westküste kam mir die Idee, wie wohl ein Werbefilmer diese großartige Naturkulisse umsetzen würde. Gesagt – getan: Ich schnappte mir mein Smartphone, konzentrierte mich auf das neue Outfit meiner Frau und kombinierte dies zuhause mit einigen Naturaufnahmen. Voila – fertig ist eine Annäherung an aktuelle Lifestylewerbung mit dem Touch des Nicht-Perfekten.

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Captured at Pointe Brezec/Bretagne with Antje Korinek-Blessing. The wild coast of Brittany – again a short film with the Windows Phone Lumia 930 and at the same time – quite by the way – a fashion film.

Of course, this is not a real advertising clip 🙂 The simple truth: During a hike on one of the great hiking trails along the Cote Sauvage on the Breton west coast, the idea came to me how an advertising filmmaker would implement this great natural backdrop. Said – done: I grabbed my smartphone, focused on the new outfit of my wife and combined this at home with some nature shots. Voila – ready is an approach on current lifestyle advertising with a touch of non-perfectionism.

Music: „Beautiful mood“ by Dag Reinbott

Die Säulen der Welt – CHARTRES

Die erste Station unserer Reise ist Chartres. Genauer gesagt: Die Kathedrale von Chartres. Etwa 75 km südwestlich von Paris nahe dem geographischen Mittelpunkt Frankreichs gelegen. Eigentlich ein Ort wie es in Frankreich viele gibt – ein Zentrum, einige Restaurants, die obligatorischen Salons de Thé und viele Läden.

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Aber Chartres hat etwas Besonderes: Die erste gotische Kirche überhaupt, sozusagen das Original. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Modell für alle anderen gotischen Kirchen dieser Welt. Diese Vorstellung finde ich schon ungeheuer beeindruckend. Vorher gab es das nicht: Säulen, die in den Himmel streben, Wände, die mit Glasfenstern durchlässig gemacht sind und Licht in den Bau lassen. In einem Reiseführer lese ich: „Die Erbauer der Kathedrale haben nicht nur mit Erfahrung, handwerklicher Meisterschaft, Berechnung gearbeitet. Ausschlaggebend war der Drang, die Seele des Menschen aufzurichten und ihn von der Erdenschwere zu befreien. In der mittelalterlichen Vorstellungswelt symbolisierte die Kathedrale die himmlische Gottesstadt. Ein himmlisches Jerusalem, das das Kirchenvolk in seine schützenden Mauern aufnimmt.“

Deshalb ist diese Stadt Anziehungspunkt für Zehntausende. Kunstinteressierte aus der ganzen Welt reisen während des ganzen Jahres nach Chartres. Was zieht sie hier her? Es ist die Kathedrale, die auf dem höchsten Punkt der Stadt erbaut weit in die Landschaft der Beauce hinaus schaut. August Rodin, der Bildhauer, und einer ihrer begeistertsten Bewunderer schrieb über die Kirche: „Die Kathedrale ist die Synthese des Landes, Felsen, Wälder, Gärten, die Sonne des Nordens, dies alles ist in ihrem gigantischen Körper enthalten.“

Für viele Menschen ist die Begegnung mit dieser Kathedrale eines der ganz großen künstlerischen und spirituellen Erlebnisse. „Palast der Jungfrau“ wurde sie im Mittelalter genannt, Rodin nannte sie die „Akropolis Frankreichs“ und Rainer Maria Rilke drückte es ganz lapidar aus: „Chartres war groß“.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ist das Besondere an dieser Kirche?

Es gibt unzählige gotische Kathedralen. Chartres ist das Original. Dieser Kirchenbau begründete am Ende des 12. Jahrhunderts die neue Formenwelt der Gotik. Will man begreifen, was hier entstand, muss man sich zunächst eine Welt denken, in der es keine derartigen, in den Himmel strebenden Kirchen gab. Ein geistiger Zeugungsvorgang, deOLYMPUS DIGITAL CAMERAr eine ganze Epoche inspirieren sollte, fand hier an diesem Ort statt. Besucht man die Kathedrale von Chartres kann man einen Prozess von weltgeschichtlicher Bedeutung nachempfinden: Zum ersten Mal in der Entwicklung des Menschen tritt in diesem Bau die Aufrichtekraft des menschlichen Ichs, ein neues Selbstbewusstsein, hervor. Geistig als Schule von Chartres bekannt, werden die Kernaussagen dieser Theologen in der Kathedrale als architektonische Gestaltungselemente sichtbar.

Gemeinsam ist dieser Kirche mit mancher anderen, dass sie an der Stelle eines vorchristlichen Heiligtums errichtet wurde. Das Besondere aber ist, dass in diesem christlichen Heiligtum die alte Tradition aufgegriffen wurde und diese Tradition bewahrt und fortgeführt wurde. Damit reichen die Wurzeln dieser Kirche in eine mehr als zweitausendjährige Vergangenheit der keltischen Kultur zurück. Das Geheimnis der Jungfrauengeburt wird hier als geistiger Vorgang gepflegt. Im Tempelbezirk von Carnutum – so wurde Chartres bei den Römern genannt – muss ähnlich wie in der irischen Kirche eine Vereinigung uralter Mysterienweisheit mit christlichen Impulsen stattgefunden haben.

Im Innern der Kathedrale erlebt man noch den ursprünglichen Eindruck einer gotischen Kirche. Gleichzeitig zeigt sich Chartres als die harmonischste, ausgeglichenste, klassischste aller Kathedralen – so Michael Ladwein in seinem hervorragenden Führer durch dieses Gotteshaus. Über die ganze Breite des Hauptschiffs ist im Mittelteil ein aus schwarzen und weißen Steinplatten gebautes Labyrinth eingelassen. Leider ist durch die heutige Bestuhlung in der Regel davon nicht viel zu sehen.

Die Seele der gotischen Kirche sind die Glasfenster. „Wer eine gotische Kirche mit alten Glasfenstern betritt, hinter dem versinkt, was auf Erden Gültigkeit hat. Er ist in ein Reich versetzt, das nicht von dieser Welt ist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Licht, das aus den Feuerkelchen des Glases tropft, ist kein irdisches, ist ein verklärtes Licht.“ So drückt die Dichterin Ricarda Huch aus, was man im Innern der Kathedrale von Chartres erleben kann. Dieser Bau verfügt über einen fast geschlossenen Bestand an originalen Glasfenstern. Von 186 Fenstern sind 145 noch im Originalzustand aus dem Mittelalter.

Ungeheuer spannend ist die Krypta. Man muss sich das vorstellen: Unter dem heutigen Kirchenschiff liegt eine Unterkirche mit den gleichen Dimensionen. Lange Gänge unter den Seitenschiffen fassen Hunderte von Gläubigen. Und dann die Statue der Jungfrau, die sogenannte Schwarze Madonna. Ihr ist die ganze Kirche gewidmet. Mehr und mehr wird mir das Geheimnis der Jungfrauengeburt eingängig. Es geht ja dabei nicht um biologische Vorgänge. Es geht dabei um die geistige Geburt des Menschen. Darum, dass der Mensch nicht nur als körperliches Wesen existiert, sondern als geistiges Wesen aus göttlichem Ursprung geboren wird. Deshalb die mythologische Figur der Jungfrau und der Engel, der Maria erscheint. Ein irdischer Mann ist zwar der biologische Vater, der Engel – himmlische Wesen – sind die Erzeuger der geistigen Natur der Menschen. Übrigens erfahre ich in Büchern über Chartres, dass diese Idee schon in der Religion der Kelten hier in Vorgängerbauten der Kathedrale praktiziert wurde. Die sogenannte Schule von Chartres greift damit auf uralte vorchristliche Gedanken zurück und integriert sie
in ihr Gedankengut.

Ebenso beeindruckend wie den Kirchenbau an sich sind die Skulpturen in den Portalen an der Außenwand. Lange, schlanke Gestalten mit fein OLYMPUS DIGITAL CAMERAgearbeiteten, ganz individuellen Gesichtern. Und jede dieser Figuren erzählt eine Geschichte aus der Bibel. Antje versucht, mit Hilfe ihrer mitgebrachten Bücher dem mythologischen Gehalt mancher dieser Gestalten nahe zu kommen. Ich glaube, man kann Wochen, Monate, Jahre hier verbringen und immer noch Neues entdecken.

Selbst ein nüchterner Kunsthistoriker wie Peter Meyer findet dafür nur poetische Worte: „Schwerelos und körperlos schweben die Figuren am Westportal vor den Gewändesäulen, unnahbar, leise, brennend wie Kerzen.“ Fast alle zeigen die luxuriöse höfische Mode des 12.
Jahrhunderts mit ihren kostbaren, in Längsfalten gelegten Seidengewändern. Bei den majestätischen Frauengestalten kommt einem unwillkürlich die „Dame“ der Minnesänger  in den Sinn, die ja eine Verkörperung eines höheren Ichs des Menschen darstellt. Am Südportal beeindruckt der segnende Christus mit einem Buch als Lehrer. Es ist der auferstandene Christus, der seinen Jüngern den Missionsauftrag erteilt.

Was ist es also, was Jahr für Jahr unzählige Menschen in die Kathedrale von Chartres zieht? Notre-Dame de Chartres war die erste Kathedrale der Hochgotik. Ein herrliches Monument der künstlerischen Einheit von Architektur, Bildhauerei und Glagsmalkunst. In Chartres eröffnet sich eine  geistige Dimension des Mittelalters, die wir bei historischen Darstellungen so oft vermissen. Die Erbauer der Kathedrale haben nicht nur mit Erfahrung, handwerklicher Meisterschaft, Berechnung gearbeitet. Ausschlaggebend war der Drang, die Seele des Menschen aufzurichten und ihn von der Erdenschwere zu befreien. In der mittelalterlichen Vorstellungswelt symbolisierte die Kathedrale die himmlische Gottesstadt. Ein himmlisches Jerusalem, das das Kirchenvolk in seine schützenden Mauern aufnimmt.

Fotos: Antje Korinek-Blessing & Walter Korinek

 

Die Säulen der Welt

Drei Kathedralen, zwei Klöster, vier Kirchen im Herzen Frankreichs.

Eine Reise zu kunsthistorischen Sakralbauten: Chartres, Saint Benoit sur Loire/Abbaye de Fleury, Germigny-des-Prés, St-Étienne de Nevers, St-Cyr-Ste-Julitte/Nevers, Bourges, St-Jacques/Neuvy-Saint-Sépulchre, Abbaye de Noirlac.

Einige Szenenfotos:

 

Getting closer: Mont-Sainte Odile

Der Mont-Sainte Odile, auf deutsch Odilienberg, wird der heilige Berg des Elsaß genannt.

Auf einem zur Rheinebene hin steil abfallenden Buntsandstein-Felsen befindet sich das Kloster der heiligen Odilia, der Schutzpatronin des Elsaß. Gegründet wurde das Kloster in der Merowingerzeit um das Jahr 700. Die Blütezeit des Klosters war im 12. Jahrhundert. Die damalige Äbtissin Herrad von Landsberg (1167-1195) schrieb das Buch „Hortus Deliciarum“, welches das Wissen der damaligen Zeit beinhaltete. Das Original verbrannte 1870 bei einer Belagerung Strasbourgs. Nach mehreren Plünderungen und Bränden wurde das Kloster Ende des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die Kreuzkapelle, die Engelskapelle und die Odilienkapelle stammen noch aus dem 11./12. Jahrhundert.