Wenn Du ein Schiff bauen willst, … lehre die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer – und vermittle Bildung.


Ein Kommentar über den Gebrauch von Metaphern bei Bildungsreformen.

 von Walter Korinek

„Wenn Du ein Schiff bauen willst,so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer!“ Der bekannte Satz von Antoine de Saint-Exupery ziert Unmengen pädagogischer Literatur unserer Zeit. Allerdings würde sich der Verfasser vermutlich im raschen Tempo rotierend im Grab drehen, wüsste er, in welchen Zusammenhängen die Aussage heute verfälscht wird.

Sehnsucht allein ist kein Allheilmittel

Oft wird Saint-Exupery heutzutage als Kronzeuge dafür missbraucht, dass es keinerlei Bildung, Fähigkeiten oder Fertigkeiten mehr bedürfe, um ein Werk schaffen zu können. Die Sehnsucht nach etwas würde schon ausreichen, um es auch realisieren zu können. Aber reicht das wirklich aus?

Saint-Exupery wollte mit seinem bekannten Satz aufzeigen, wie wichtig das Wollen ist, um in die Tat kommen zu können. In der heute gebräuchlichen Verballhornung des Zitats dagegen zeigt sich das Dilemma der Bildungslandschaft der letzten Jahre seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals wurde die Grundlegung zu der Meinung gelegt, dass jeder alles lernen könne, wenn er nur wolle und die Lehrer gut genug sind, es dem Lernenden gut beizubringen. Stellt man heute versuchsweise bei Google die Frage, ob jeder alles lernen könne, bekommt man fast nur noch zustimmende Aussagen. Die Tatsachen sprechen leider eine andere Sprache. Gibt es nicht genügend Menschen, die trotz erheblicher Bildungsbemühungen der Schulen extrem wenig Wissen haben, aber dafür umso mehr Meinung. Und gerade die schreien zur Zeit sehr laut: „Wir sind das Volk!“ Ob Ignoranz ein Produkt mangelnder Begabung ist, kann man bezweifeln, aber noch zweifelhafter scheint der grenzenlose Optimismus vieler Bildungsreformer.

Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln

Diese Aussage von Wilhelm von Humboldt fasst den Begriff der Bildung, wie er seit mehr als 200 Jahren als Grundlage allen schulischen Bemühungen galt. Parallel mit der Abschaffung der Begabung verschwand allerdings auch der Begriff der Bildung aus der pädagogischen Landschaft. Ging man bisher davon aus, dass ein Mensch über einen Grundbestand an Wissen und Kenntnissen verfügen muss, um als mehr oder weniger gebildet zu gelten, geht es heute nur noch um Kompetenzen. Beim Bildungsbegriff geht man davon aus, dass der Mensch in der Lage sein soll, sich ein „Bild“ von der Welt, von einer Sachlage machen zu können, um dann ggf. aufgrund dieses Urteils angemessen handeln zu können. Der Kompetenzbegriff verengt das Lernen auf die Bewältigung konkreter, praktischer Aufgaben. Eigenständige Beurteilung ist nicht mehr gefragt – und damit kommt es natürlich letztlich auch zu einer Nivellierung des Denkens an sich. Es geht nicht mehr darum, möglichst komplexe Niveaustufen denkerischen Handelns zu vermitteln, sondern nur noch darum, die Kompetenz zu haben, ein konkretes Problem – letztlich unabhängig von der geistigen Durchdringung – zu lösen.

Gleichzeitig wurde eine Verlagerung der Verantwortung für das Lernen vom Lernenden auf den Lehrenden vorgenommen. Seit etwa 30 Jahren ist nicht mehr der Schüler verantwortlich, ob er etwas gelernt hat, sondern versagt hat im Zweifelsfall der Lehrer oder die Schule oder das Schulsystem.

Leistung  ist der Quotient aus verrichteter Arbeit und der dazu benötigten Zeit. 

Diese physikalische Definition von Leistung entspricht im Wesentlichen auch dem üblichen Verständnis von Leistung – aber nicht mehr dem in der modernen Pädagogik. Hier geht es vornehmlich um ein mehr oder weniger kreatives Wollen mit relativ undefinierbaren Ergebnissen. Oft ist die rhetorisch gekonnte Präsentation des Wenigen wichtiger als die Substanz. Wenn sich Schüler heute – wie in der baden-württembergischen Gemeinschaftsschule – in Lernateliers nach ihrem eigenen Zeitplan mit Inhalten in unterschiedlichen Niveaustufen gemäß ihrer eigenen Selbsteinschätzung selbstorganisiert beschäftigen, ist von Leistung im herkömmlichen Sinn nicht mehr die Rede. Letztlich wird durch die Negation des Begabungs- und des Bildungsbegriffs auch das Leistungsprinzip überflüssig.

Damit wird allerdings das grundlegende Prinzip einer demokratisch-rechtsstaatlichen Bürgergesellschaft eliminiert. Leistung soll nach unserer Verfassung die Grundlage gesellschaftlichen Erfolgs sein und nicht Herkunft, Einfluss, Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen. Heute allerdings scheinen gerade diese Faktoren zu Lasten des Leistungsprinzips immer mehr an Einfluss zu gewinnen. Nicht selten spielt ja auch die rhetorische Begabung die entscheidende Rolle für Erfolg. So genannte Soft-Skills, also emotionale Faktoren, sind auf dem Vormarsch – zumindest im Schulbereich.

Sehnsucht und Bildung sind nötig

Für die Befürworter der  oben skizzierten pädagogischen Entwicklungen ist ein differenziertes Schulsystem überflüssig, ja schädlich. Es beruht ja letzten Endes auf dem humboldtschen Bildungsideal und dem Leistungsprinzip. Wenn es darum nicht mehr geht, ist das Konzept der Einheitsschule und der damit verbundene Paradigmenwechsel der Pädagogik nur folgerichtig. Die neue Schulart wirbt mit Versprechen nach leichter Erreichbarkeit von hohen Bildungsabschlüssen um Schüler und Eltern, ohne dass ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt worden wäre. Das Schlagwort des „individuellen Lernens“ gaukelt vor, dass die Erreichbarkeit von schulischen Qualifikationen möglich ist, indem Schüler nach ihren Neigungen und in ihrem individuellen Lerntempo selbstorganisiert  mit Unterstützung von Lernbegleitern lernen. Die Schule wird mehr und mehr von der Bildungseinrichtung zum Instrument des „Social Engineering“, mit dem ideologische Sichtweisen gesellschaftlich durchgesetzt werden.

Man muss sich  allerdings fragen, ob es zielführend ist, zugunsten eines Experiments mit fraglicher Begründung die fundierten und bewährten Grundlagen des Bildungswesens ohne Not aufzugeben. Vielleicht gibt es zu denken, dass die US-amerikanischen Eliteuniversitäten sich am humboldtschen Bildungsideal ausrichten. Man kann mit Fug und Recht bezweifeln, dass die Medizin nach der in der deutschen Bildungspolitik zurzeit gegriffen wird, ein probates Mittel für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft darstellt. Es ist zweifellos richtig, dass die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer der Bildung die Grundlage des Lernens darstellt. Ebenso richtig ist allerdings auch, dass dies allein keine Basis für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft darstellt. Geboten ist neben guten Vorsätzen auch die Vermittlung von Bildung als Fundament eines mündigen Bürgers mitsamt einer leistungsorientierten Unterrichtsmethodik.

Sind Mauern oder Windmühlen angebracht?

Kehren wir zum Schluss noch einmal in die blumige Welt der Bilder zurück, die von den Bildungsreformern so gerne benutzt wird: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Wer weiß, vielleicht haben die doch Recht, die sich mit Mauern vor allzu heftigen Stürmen schützen, vielleicht entpuppt sich aber auch der Wind des Wandels als laues Lüftchen, das mehr Bewegung verspricht, als es halten kann.

Eine Reise in eine andere Welt


Für OLt-Korinekknapp zwei Wochen tauschte Dr. Walter Korinek, im Zivilleben Rektor der Auwiesenschule Neckartenzlingen, Jeans und Sakko mit der Uniform der Bundeswehr. Gemeinsam mit anderen zivilen Führungskräften vom Bankdirektor über Projektmanager, Rechtsanwälte, einem Staatsanwalt bis zur Polizistin nahm er an einer Informationsveranstaltung der Luftwaffe teil. Er wollte sich selbst ein Bild vom Leben in der anderen Welt der deutschen Streitkräfte machen. Hier der Bericht, wie er auch auf der Homepage der Luftwaffe (https://bw2.link/T5eg9) erschien:

Zur 99.Informationsveranstaltung der Luftwaffe hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, zivile Führungskräfte eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen.

  „99. InfoDVag aufstehen!“ Angekündigt durch einen schrillen Pfiff schallt die Stimme von Hauptfeldwebel Pohl um 4.30 Uhr durch den ersten Stock der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth. Für die 15 Teilnehmer der 99. Informationsveranstaltung der Luftwaffe für zivile Führungskräfte (InfoDVagLw) sind das eher ungewohnte Töne, aber pünktlich um 5.30 Uhr treten die vier Frauen und elf Männer noch etwas unbeholfen auf dem Kasernengang an.
Gruppenfoto
Gruppenfoto bei der 7. Kompanie (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Am Ende der fast zweiwöchigen Tour durch die Luftwaffe vom 5. bis 16. Oktober 2014 sind die militärischen Gebräuche allen wohl bekannt. Und darüber hinaus verfügen die frischgebackenen zeitweiligen Offiziere über viele neue Informationen und Erfahrungen aus der „anderen Welt“, der Luftwaffe.

Kleidungskammer
Vorfreude in der Kleidungskammer (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Bereits am ersten Tag stand der Besuch der Kleiderkammer auf dem Programm und ein Crash-Kurs in Sachen Formaldienst. Von nun an haben sich die Teilnehmer künftig auch an gewisse Pflichten zu halten: Die Jacke muss zugeknöpft sein, die Hose oberhalb der Kampfstiefel enden, die Haltung ist aufrecht. Für Zivilisten ist dies alles nicht selbstverständlich und auch nicht ganz einfach. Doch Hauptfeldwebel Markus Pohl bringt es in kürzester Zeit fertig, aus der Gruppe Zivilisten soldatisch korrekt auftretende Luftwaffenangehörige zu machen, die in der Lage sind, für die gleichzeitig eingerückten Rekruten als Vorbild zu dienen.

„Ich gelobe, der Bundesrepublik treu zu dienen …“

Gelöbnis
Das Gelöbnis ist im vollen Gange (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

Zum 99. Mal hat der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, Politiker, Juristen, Unternehmer, leitende Behördenmitarbeiter, Schulleiter eingeladen, sich selbst ein Bild von den Aufgaben und Fähigkeiten der Luftwaffe zu machen. Natürlich verbindet die Bundeswehr damit auch die Hoffnung, dass die Teilnehmer nach Abschluss dieses Besuchs bei der Truppe als Botschafter der deutschen Streitkräfte in der Gesellschaft auftreten. Diese Aufgabe kann man am Besten erfüllen, wenn man einen intensiven Einblick in die Strukturen und Abläufe des Lebens in der Luftwaffe gewinnt. So befördert der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons Germersheim, Oberstleutnant Dietmar Hinze, zusammen mit der Kompaniechefin der 7. Kompanie Frau Hauptmann Anke Herrmann am zweiten Nachmittag der InfoDVagLw im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses 15 Zivilisten zum Oberleutnant der Reserve. Auf die Truppenfahne geloben die 15 neuen Offiziere, zumindest für zwei Wochen „… der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Dienst an der Waffe

Auch der Dienst an der Waffe gehört zum Programm der Informationsveranstaltung in Uniform. Nach einer ersten Einführung auf dem Schießplatz werden die frischgebackenen Soldaten mit dem Sturmgewehr G 36 und der Pistole P 8 vertraut gemacht. Eine Schnellbleiche in Kartenarbeit schließt sich an, um die neuen Offiziere geländetauglich zu machen. Als Lohn für die Mühe veranstaltete dann am Abend die Stammbesatzung der 7. Kompanie unter dem Befehl von Frau Hauptmann Herrmann einen Grillabend mit fränkischen Spezialitäten. Dabei gab es Gelegenheit zu vielen heiteren, aber auch manchen ernsten Gesprächen zwischen den hauptberuflichen Soldaten und der Gruppe.

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe…

QRA
Eurofighter der QRA beim Start (Quelle: Luftwaffe/Kulla)

Die „Rundreise“ durch die Luftwaffe unter Führung des Projektteams mit Oberst Hilmar Dageförde und den beiden Oberfeldwebeln Vanita Schanze und Agathe Kulla beginnt am Mittwoch um 5 Uhr mit dem Wecken – diesmal mit zackiger Marschmusik. Zuerst bringt der Bus die Gruppe zum Fliegerhorst Lechfeld des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 (TaktLwG 74), einem der zwei Standorte für die Alarmrotte des Mehrzweckkampfflugzeugs vom Typ Eurofighter Typhoon. Der stellvertretende Kommodore des Geschwaders erläutert die Aufgaben: Der Luftraum über Deutschland wird, auch im Frieden, im Auftrag der NATO durch die Luftwaffe geschützt. Hierzu stellt das Taktische Luftwaffengeschwader 74 an 365 Tagen im Jahr zwei Jagdflugzeuge, deren Besatzungen und dazugehörige Techniker Dienst in einer 24-Stunden-Schicht verrichten. Diese Alarmrotte, im militärischen Sprachgebrauch QRA (Quick Reaction Alert) genannt, wird vom Gefechtstand der Luftverteidigung alarmiert und befindet sich innerhalb von 15 Minuten in der Luft. Dort wird sie über ihren Auftrag informiert. In den meisten Fällen ist der Grund für den Alarm, dass sich Flugzeuge, nicht konform zu den luftfahrtrechtlichen Vorgaben verhalten. Manchmal ist auch nur keine Kontaktaufnahme über Funk möglich. Die Alarmrotte nähert sich dem Flugzeug und versucht über Funk oder mittels Zeichen Kontakt zum Piloten aufzunehmen. Die Besatzung der Eurofighter identifiziert das Flugzeug und die Fluggesellschaft, das angestrebte Flugziel sowie mögliche Probleme der Maschine. Einen solchen Alarmstart unmittelbar neben der Startbahn mit zu erleben, stellt sicher eines der herausragenden Erlebnisse der Luftwaffenrundreise dar. Weiter ging es nach Kaufbeuren.

Das Abendessen am Standort mit dem Kommandeur Oberstleutnant Dr. Volker Pötzsch und anderen leitenden Offizieren gab wieder viele Gelegenheiten zu Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Ausbildung steht im Mittelpunkt

Das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abteilung Süd in Kaufbeuren dient der Aus- und Weiterbildung von Soldaten aller Dienstgrade in allen Teilstreitkräften und zivilem Personal im Rahmen einer Grundlagenausbildung an den Waffensystemen Tornado und Eurofighter. In einem Simulator, der bis ins Detail einem Kontrollturm ähnelt, findet die praktische Ausbildung der Soldaten statt, die in hochkonzentrierter Arbeit den Flugverkehr regeln.

Ein geselliger Kameradschaftsabend und Diskussionen über die Einsatzbereitschaft

Ein Marsch auf die Buchenbergalm bei Füssen und der anschließende Kameradschaftsabend mit Übernachtung im 10-Bett-Zimmer leitet für die Gruppe Tage mit praktischen Flugerlebnissen ein.

CH53
Auch in der CH 53 müssen Sicherheitsvorschriften befolgt werden (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

In Füssen startet ein Hubschrauber des Typs Sikorsky CH 53 und bringt alle mit einem kurzen Abstecher an Schloss Neuschwanstein zum Luftwaffenstützpunkt Penzing, wo der stellvertretende Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61, Oberstleutnant Klaus Schierlinger, einen Überblick über die umfangreichen Wartungsdienste am fliegenden Gerät gibt. Später werden die Teilnehmer der InfoDVagLw von ihm persönlich als Pilot mit der C-160 Transall nach Köln-Wahn geflogen. Die Gespräche geben natürlich auch Gelegenheit, die zahlreichen Gerüchte um die angebliche oder tatsächlichen Einsatzdefizite der Bundeswehr zu diskutieren und Fakten zu erhalten. Die Wartungsleiter erklären, dass das Verhältnis von Flugstunden zu Wartungseinheiten etwa beim Tornado bei 1:90 liegt. Der Gruppe wird rasch klar, dass es unmöglich ist, eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft des fliegenden Geräts sicher zu stellen. Der Flug in der Transall ist sicher ein weiteres Highlight des Aufenthalts in der Luftwaffe. Das über 40 Jahre alte Flugzeug, das aber durch ständige Wartungsintervalle immer noch up-to-date ist, bietet durch die spezielle Sitzposition mehr Kniefreiheit als die Business-Class jeder zivilen Maschine – und dazu noch die Gelegenheit im Cockpit der Besatzung während des Fluges über die Schulter zu schauen.

„Darauf bin ich stolz…“

So beginnt Oberstleutnant Peter Nicolin an Bord der Airbus A 310 mit der MedEvac-Ausrüstung seine Erklärungen. Und dabei meint er nicht in erster Linie, dass er schon unzählige hochrangige Politikgrößen von Altkanzler Helmut Kohl bis zur amtierenden Regierungschefin Angela Merkel zu Flugzielen in allen Kontinenten flog. Nein, was er meint, schildert er ausführlich an einem Beispiel: Ein Soldat in Afghanistan war lebensgefährlich erkrankt und musste so schnell als möglich zur rettenden OP nach Deutschland gebracht werden. Also startet der MedEvac-Airbus. In einer nicht üblichen Reiseflughöhe steuerte Nicolin die große Maschine in die Heimat zurück – den Aufstieg in normale Höhe hätte der Patient nicht überlebt -. Der Mann wurde operiert und überlebte.

Theorie und Praxis im steten Wechsel

AGSAP
Waffeneinweisung im AGSAP (Quelle: Luftwaffe/Schanze)

Charakteristisch für die Bundeswehr ist der Wechsel von administrativen Tätigkeiten zu operativen Aufgaben – dies ist sicher eine der wertvollen Erfahrungen, welche die Teilnehmer der InfoDVag in ihr Zivilleben mitnehmen – und dieses Prinzip wird auch in der Veranstaltung selbst praktiziert. Oberstleutnant Eckhard Jeske löst Oberst Hilmar Dageförde als begleitenden Projektoffizier ab und begleitet die Gruppe zum AGSAP. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich bundeswehrtypisch ein Wortungetüm namens „Ausbildungsgerät Schießsimulation für Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen“. Mit Hilfe dieses Simulators wird nun mit den Oberleutnanten noch einmal der richtige Umgang mit Sturmgewehr und Pistole trainiert und sogar eine Gefechtssituation simuliert.

„Auf dem Weg in die neue Luftwaffe…“

Am nächsten Tag folgt konsequenterweise nach der Praxis die Beschäftigung mit theoretischen Fragen der Luftverteidigung der Bundesrepublik im Rahmen des NATO-Bündnisses. Dieter Naskrent ist Generalleutnant der Luftwaffe der Bundeswehr und Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe. Er hat ganz sicher einen vollen Terminkalender, aber an diesem Montag steht er hier in der Kommandozentrale der Luftwaffe und gibt gemeinsam mit Generalleutnant Martin Schelleis, Brigadegeneral Rainer Keller und Oberst Rüdiger Knappe den zivilen Führungskräften in Uniform Auskünfte aus erster Hand über die jetzige Struktur, Probleme und die Neuausrichtung der Luftwaffe.

Im Herz der Luftwaffe

Nach der Fahrt Richtung Kalkar und Uedem geht es direkt ins Herz oder besser ausgedrückt, ins Gehirn der Luftwaffe: Das Zentrum Luftoperationen der Luftwaffe (ZentrLuftOp) ist eine Kommandobehörde der deutschen Luftwaffe und dem Kommando Luftwaffe unterstellt. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Bereitstellung eines Kernstabes für einen Gefechtsstand zur Führung von Luftstreitkräften im Einsatz. Imposant sind die Einsatzzentralen, in denen auf zahlreichen computergestützten Monitoren der gesamte Luftverkehr über der Bundesrepublik Deutschland und in Nordeuropa grafisch abgebildet wird. Von hier geht im Fall eines Notfalls der Alarm direkt an eine der Alarmrotten und als „Quick Reaction Alert“ steigen dann – wie in Lechfeld erlebt – innerhalb von kürzester Zeit zwei Eurofighter auf, um die Problemsituation zu klären. Ein Kreis von Erfahrungswerten schließt sich für die Gruppe.

Die Militärpatrouille

Am vorletzten Tag fliegt die 99.InfoDVagLw vom Flugplatz Weeze mit der guten, alten „Trall“ – Bundeswehrjargon für die C-160 Transall – zurück nach Bayern und in der Otto-Lilienthal-Kaserne wartet eines der letzten Highlights – die Militärpatrouille. Frau Hauptmann Herrmann beordert die kleine Truppe in das Einsatzlagezentrum und den Soldaten auf Zeit wird folgende Lage verkündet: Aufgrund von Terroranschlägen von separatistischen Gruppen wird die Informationsveranstaltung abgebrochen und die Teilnehmer erhalten eine abschließende Kurzausbildung, um sie auf einen Einsatz vorzubereiten. Dazu werden kleine 3-4 Mann starke Einheiten gebildet, die jeweils unter Befehl einer Truppführung stehen. Jeder Trupp hat sofort in voller Ausrüstung in Felduniform, mit Koppeltragesystem, Rucksack und Gefechtshelm zur Waffenausgabe anzutreten. Koordinaten werden ausgeben und jeder Trupp hat sich unverzüglich zu seiner Station zu begeben, um dort die abschließende Ausbildung zu absolvieren.

Militärpatrouille
Viel Technik um die Übungshandgranate richtig zu werfen. (Quelle: Luftwaffe/Brandenburg)

An den jeweiligen Einsatzorten bietet sich folgende Lage: Zwei tiefe Schluchten sind mit Hilfe von Drahtseilkonstruktionen zu überqueren, eine rund 15 m tiefe Steilwand muss mit Seilsicherung abgestiegen werden. Anschließend stehen Schießübungen mit G 36 und P 8 an.

Kurz und gut: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 99. InfoDVagLw meistern diese Herausforderungen und können am Abend aus der Hand von Brigadegeneral Rainer Keller diverse Auszeichnungen und Urkunden in Empfang nehmen.

Fazit

Nach fast zwei Wochen in Uniform war den zeitweiligen Oberleutnanten die anfangs fremde Welt der Bundeswehr sehr vertraut geworden. Wertvolle persönliche Erfahrungen, neue kostbare Kontakte in die Luftwaffe, aber auch in der Gruppe wurden geknüpft, wichtige Informationen waren vermittelt worden. Vielen fiel es nicht ganz leicht, den Feldanzug wieder mit der Zivilkleidung zu tauschen – auf jeden Fall herrschte Einigkeit, dass diese beiden Wochen ein wertvoller Lebensabschnitt bedeuteten. Leider hat es mit der „Leutnantskarriere – Leutnant, Oberleutnant, Oberstleutnant, Generalleutnant“ nicht geklappt und sogar der verliehene Offiziersgrad ging den Teilnehmern zu ihrem größten Bedauern wieder verloren. Dessen ungeachtet drückte Gruppensprecher Thomas Schulz-Spirohn, im Zivilberuf Staatsanwalt, den großen Respekt vor den in den beiden Wochen erlebten und gesehenen Leistung der Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe aus. Er übermittelte allen, die für das Gelingen dieser 99. InfoDVagLw Verantwortung trugen oder im Hintergrund tätig waren, den herzlichsten Dank aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Übrig bleibt nur zu sagen: Ziel erreicht.

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Stand vom: 31.10.14 | Autor: Walter Korinek

Der Beitrag erscheint auch auf der Webseite der Luftwaffe: https://bw2.link/T5eg9