Stationen einer Restauration

Der Film „Milestones of a restoration/Stationen einer Restauration” beschreibt die Restauration eines Klassikers der automobilen Rennsportgeschichte. Das Fahrzeug – ein Porsche 917 – ist ein Rennwagen des deutschen Automobilherstellers Porsche aus dem Jahr 1970. Beim 24- Stunden-Rennen von Daytona in diesem Jahr errang Porsche mit diesem Auto, gefahren von Pedro Rodriguez und Leo Kinnunen, den Gesamtsieg. Außerhalb der Rennszene wurde das Fahrzeug mit den Gulf-Farben durch den Filmklassiker „Le Mans“ von 1971 mit Steve McQueen zur Legende.

Stationen Restaurierung from Walter Korinek on Vimeo.

Zur Geschichte des Porsche 917/015

Nach fast 50 Jahren bei verschiedenen Sammlern kam der Wagen nach einem abermaligen Verkauf zu Alfred Kist und seinem Team nach Nussdorf, um dort in einer grundlegende Restauration auf den Originalzustand von 1970 zurückgebaut zu werden. Nun ist er optisch und technisch wieder in einem Topzustand.

ORCA Restoration GmbH

Die Firma ORCA RESTORATION GmbH wurde 2017 von Diplomingenieur (TH) Alfred Kist gegründet. Das Unternehmen liegt in einem Ortsteil des Kleinstädtchens Eberdingen ganz in der Nähe des Entwicklungszentrums der Firma Porsche. Hinter einer neutralen Neubaufassade werden dort Schätze und Kostbarkeiten aus der Welt des Motorsports restauriert, wiederaufgebaut und auch gewartet. Die Firma kombiniert alte mechanische Handwerkskunst und modernste heutige Technologie. Optische Messanlagen, wie einem – auch von den meisten Autoherstellern benutzten – ‚Atos Triple scan‘ von der Fa. GOM GmbH sowie mechanische Messgeräte versetzen das Team um Alfred Kist in die Lage, von alten und defekten Teilen, von denen es keine Konstruktionsunterlagen mehr gibt, eine CAD-Zeichnung nachträglich zu erstellen und über einen 3D-Drucker oder eine 5-Achs-CNC-Maschine die benötigten Teile herzustellen. Eine stählerne Präzisions-Richtplattform für die Reparatur oder Neuanfertigung von Chassis und Karosserie sowie eine Lackierwerkstatt stehen den Spezialisten von ORCA ebenfalls zur Verfügung.

Zum Aufbau des Films

Der Film lässt die Zuschauer an einigen Stationen des Restaurationsprozesses teilnehmen. Dabei habe ich die reale Chronologie der Arbeiten aufgelöst zu Gunsten einer filmischen Dramaturgie. Der Vorgang der Restauration wird anhand einiger exemplarischer Szenen erzählt. Dabei werden diese Vorgänge von den beiden Protagonisten Alfred Kist und Christian Schneider erklärend eingeleitet. Der Film gipfelt kommentarlos im Roll-out des fahrbereiten Porsche 917 auf dem Flugplatz Heubach bei Schwäbisch Hall.

Das Fahrzeug selbst ist der Protagonist des Films und wird im Bild und mit dem charakteristischen Geräusch des Zwölfzylinders präsentiert. Ein reportagehafter Stil mit großer Nähe zum Gegenstand und der Verzicht auf Effekte sind meine bevorzugte Filmsprache. Lediglich die Musik von Alexander Nakarada und Sascha Ende unterstreichen die Bilder. In den Szenen auf dem Prüfstand von Bruce Henni und in den Fahrszenen auf dem Flugplatz ist der Sound des Motors genug, um das Herz der Autoliebhaber höher schlagen zu lassen. Insgesamt habe ich beim Schnitt auf möglichst cineastische Bilder geachtet und so der Ästhetik Vorrang gegenüber einer rein dokumentarischen Sichtweise eingeräumt.

Der Film erscheint in zwei Fassungen: der englischsprachigen mit dem Titel „Milestones of a restoration“ und einer deutschen namens „Stationen einer Restauration“. Bei der englischen Fassung habe ich die erklärenden Worte von Alfred  Kist und Christian Schneider ins Englische übersetzt und über die Originalsequenzen als Voice-Over gesetzt. Ich wählte diese Vorgehensweise gegenüber der Alternative von Untertiteln, um die Zuschauer nicht durch die Schriftzüge vom Bild abzulenken.

Zur Geschichte des Films

Alfred Kist wurde durch ein Gespräch am Rande einer Veranstaltung auf meine filmische Arbeit aufmerksam. Noch ohne irgendetwas von mir zu kennen, erzählte er mir, dass er daran interessiert war, ein sehr spezielles Restaurationsprojekt filmisch dokumentieren zu lassen. Schnell war klar, dieses Projekt hat das Potential etwas ganz Spezielles zu werden. Bei den Dreharbeiten fühlte ich rasch den besonderen Geist bei ORCA RESTORATION; hier arbeiten Menschen mit höchster Fachkompetenz gepaart mit einer Leidenschaft für diese speziellen Fahrzeuge, ihre Geschichte und die handwerklich-technischen Gegebenheiten. Die Art und Weise wie dort gearbeitet wird,  gefiel mir sehr. Nur wenige Wochen nach dem ersten Treffen stand ich im Oktober 2019 in der Werkstatt in Nussdorf und die Reise begann. Mehr und mehr befasste ich mich mit Rennwagen und der ganzen damit verbundenen Materie. Nun, nach Abschluss der Arbeiten kann ich sagen, dass es für mich mehr als ein Dreh war, es war ein Eintauchen in eine neue Welt.

Einen solchen Restaurationsprozess zu begleiten und zu dokumentieren ist kein alltägliches Briefing. Alfred, Christian, Marco, Friedemann, Emmanuel und Johannes von ORCA RESTORATION schenkten mir viel Vertrauen. Das ist wunderbar und setzt auch genauso einen hohen Erwartungshorizont.

Produktionszeit

Über ein Jahr dauerte unsere Reise. Ich fuhr immer wieder nach Nussdorf, habe mich umgesehen, einen Drehplan und eine Shotlist für die jeweiligen Szenen erstellt und schon war ich am Filmen. Es ist schön zu sehen, was möglich ist, wenn Menschen an ein gemeinsames Ziel glauben und es ist noch schöner, wenn dies mit einer solchen Kompetenz und Leidenschaft verfolgt wird.

Kamera | Optiken

Ich habe mit einer Canon Kameras, einer Sony DSLM und der DJI Osmo Pocket gefilmt. Hauptkamera war die X 100. Einige Szenen schoss ich mit meiner Sony Nex 7 mit dem f4/18-105mm-Objektiv . Sehr gute Dienste leistete die DJI Osmo Pocket als kleine Gimbalkamera. In der Hauptsache arbeitete ich aber mit der absolut verlässlichen XF 100, oft auf einem Monopod von Manfrotto oder als Handkamera.

Sound

Es war mir wichtig, die Atmosphäre auch auf der akustischen Ebene zu transportieren. So nahm ich wenn immer möglich den Original-Ton mit auf. Dieser war auch die Grundlage für ein dezentes Sound-Design. Die Interviews nahm ich entweder mit dem Takstar SGC 598 Shotgun oder mit dem kleinen Funkset Rode Wireless Go auf.

Licht

Das Licht-Kit war minimalistisch. Ich hatte lediglich ein kleines LED-Headlight und einen Reflektor dabei. Ich nutzte wo immer möglich das natürliche Licht und wählte Position und Winkel entsprechend der lokalen Verhältnissen. Logistisch wäre ein größeres Setup für mich als One-Man-Band“ nicht möglich gewesen.

Schnitt

Der Schnitt erfolgte über den ganzen Zeitraum mit Final Cut Pro X. Mit meinem  iMac nutzte ich den Proxy Workflow mit den in den Canon Kameras erstellten MXF-Files. Die große Herausforderung war die Entwicklung der Storyline. Ich wollte die Geschichte nicht linear anhand der Restauration erzählen, sondern den Zuschauern am Anfang eine Art Übersicht geben welche dann einen Spannungsbogen aufbauen soll. Schnell war klar, es wird kein ganz kurzer Film.

Grading

Nach dem Picture Lock nahmen begann ich mit dem Grading. Ich war gespannt was sich aus dem gedrehten Material rauskitzeln lässt. Nach anfänglichen Versuchen mit Filmconvert bewältigte ich dann aber die gesamte Farbanpassung mit den Bordmitteln von Final Cut. Die Möglichkeit, die Basics auf so eine schnelle und einfache Art zu korrigieren, stellte sich als echter Gewinn heraus. Schnell waren Shots angeglichen, bezüglich Helligkeit und Weißabgleich korrigiert. Das Arbeiten war natürlich und intuitiv. Auch die Performance auf den iMac ist sehr angenehm.

DANKE

Es ist ein großes Privileg auf diese Weise das Vertrauen zu erhalten, solche Stories auf meine Art zu erzählen. Meine Passion sind die bewegten Bilder. Beim Filmemachen ist es wichtig, genau zuzuhören. Tiefer in Sachverhalte einzusteigen und mehr zu fragen. So entstehen authentische und relevante Geschichten. Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen dabei die Menschen. Sie sind die authentischen Botschafter der Geschichte des Films. Wesentliches Merkmal fast aller meiner Filme sind Inhalte einer Reportage verbunden mit einer ästhetischen Bildgestaltung und Kameraführung. In einer Zeit der Überfülle an medialen Angeboten sind dies wesentliche Elemente, welche die Aussage des Films unterstützen und bekräftigen.

Danke Alfred, Christian, Marco, Friedemann, Emmanuel und Johannes von ORCA RESTORATION, dass ihr mir diesen Einblick gegeben habt.

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